Rabenkopftreffen 2008


Rabenkopf, das Letzte ...

Keine Angst, dies bezieht sich nicht auf den Verlauf der Veranstaltung. Der kundige Leser fürchtet zu Recht etwas anderes. Die Rabenkopfer machen’s nicht mehr. So haben sie es zumindest in diesem Jahr angekündigt. Nach 36 Jahren soll Schluss sein:

Schluss mit garantiert kalten Nächten und manchmal verschneiten  Straßen.

Schluss mit eisigem Wind oben am Sportplatz.

Schluss mit herzlicher Gastfreundschaft, mit Spezereien vom Grill und aus der Wurstküche, mit leckerem Hausmacherkuchen.

Schluss mit heißem Äppelwoi *Gottseidank dat Zeuch is’uah! * und Bionade, hmm, lecker.

Schluss mit manchmal nassem Holz in einem Feuer dass nicht immer gewärmt hat ;-) Dafür ist man dann etwas enger zusammengerückt.

Schluss mit ein paar christlichen Liedern für alle, die mitsingen wollten.

Schluss mit dem Treffen derer, die alte und sehr alte Mopeds nicht nur pflegen sondern auch jederzeit fahren und auch derer, die die Elefanten im Januar in Solla hüten.

Was fängt man also an mit der Androhung, dass ab 2009 das zweite Märzwochenende Freitagnachmittags nicht mehr mit der Anfahrt durch’s Rhein- und schummerige Wispertal beginnt?
Der Samstag, an dem ich, anfangs mit 500er XT, öfter auf und um den Feldberg herum fuhr, einmal war sogar Schlittenhunderennen, tja, weil dort Schnee lag! 2003 mit 1100 GS auf Appetit-hol-Tour in den Spessart. 2004, 5 und 6 mit gleichgesinnter Freundin und SLR in den botanischen Garten nach Frankfurt zur Raritätenbörse. 2007 mit DR 650 bei Kaiserwetter und mit begeisterten Mitfahrern das Weltkulturerbe oberes Mittelrheintal durchbummelt.
Zur Abrundung jedes dieser außergewöhnlichen Wellness-Wochenenden gab es den Sundowner in Form eines Ausblicks auf die Kurhäuser von Bad Schlangenbad und zwar ganz entspannt von der Ruheliege der 30°C  warmen Therme aus ;-).

Und nun für 2008 soll’s fürs Letzte was Besonderes sein? Seufz, na, warten wir erst mal ab, wie das Wetter wird.

Die Vorhersagen sind wie immer nicht beachtenswert, auf jeden Fall was Warmes, was Wasserdichtes und Badezeug mitnehmen und los geht’s.

Dieses Wochenende mal mit einem wirklich neuen Moped. Die Versys muss die letzten Kilometer zur ersten Inspektion und damit zum ersehnten oberen Drehzahlbereich erhalten. Die Koffer sind gepackt, nun noch den Pfadfinder zum Spielen anklemmen. Das Rheintal zeigt sich diese Jahr schon am Freitag von seiner netten Seite und dank GPS hangele ich mich auch mal am steilen Weinberg hinauf, das hätte ich auf der 200.000er Karte nie gefunden. Die Wirtschaft oben auf wird gleich zum POI, käme ich hier wieder mit durstigen Mitreisenden vorbei, wüsste ich eine Schänke in herrlicher Lage ihnen Speise und Trank zu reichen... Wie jedes Mal, bin ich wieder von den zahlreichen Burgen rechts und links fasziniert.

Eine ungewöhnlich kleine Runde hat sich trotz gutem Wetters an diesem Freitag eingefunden, so bleibt auch den Ausrichtern mal ein wenig Zeit ein paar Worte zu wechseln und mit uns am Feuer zu sitzen, das in diesem Jahr nicht qualmt, sondern herrlich wärmt ;-) und an dem richtig viel Platz ist. Die Erbsensuppe, der Kuchen und der Spiesbraten munden vorzüglich und so gehen wir bei Zeiten satt und durchgewärmt zur Nachtruhe.

Als wir am nächsten Vormittag gegen 11:00 in Nassau auf dem Marktplatz eintreffen, lacht uns die Sonne aus weißblauem Himmel an. Da wir noch auf eine weitere Mitfahrerin warten, bummeln wir zu Fuß an die Lahn und sehen den Enten beim Schwimmen zu. Gemächlich wälzt sich die Lahn hier an der Stadt vorbei, diese Gleichmut steckt an und wir räkeln genüsslich unsere schon etwas älteren Knochen in der wärmenden Sonne. Da wir davon nicht genug bekommen können, nutzen wir die Gunst der Stunde und gönnen uns anschließend, nun zu dritt, das erste Moped-Tour-Eis des Jahres 2008 auf der Terrasse eines Eiscafes, nee, watt jehdet uns joot ;-). Ein kleiner Diskurs zur deutschen Grammatik lässt uns zu folgender Erkenntnis kommen: Lehrten uns die Lehrer die Grammatik unserer Sprache interessanter und gäben wir uns dieser Lehre genauso spielerisch hin, wie dem Erlernen des Radfahrens oder Fußballspielens, so verstünden wir heute die Konjugation der Verben vorbildlich und benötigten nicht des Öfteren Hilfsverben, die sich, überflüssig aber im Sprachgebrauch üblich, den Zeiten beugten. Doch so unzureichend gebildet reden wir weiter und weiter, wie uns der Schnabel dereinst wuchs und hoffen, der werte Zuhörer verstehe unsere Ausführungen, wie sie unseren Gedanken eben erst entsprungen waren. Doch genug der geschwollenen Reden, die will ja außer uns kein Mensch hören. ;-).

Es geht weiter flussabwärts. Doch kaum, dass wir aufgestiegen sind, kommen wir auch schon wieder an, in dem Dorf Dausenau, in dem der vielleicht schiefste Turm Deutschlands steht. Dieser, die angepriesenen Fresken in der kleinen Kirche, die 1100 Jahre alte Gerichtseiche und natürlich das herrliche Wetter locken uns zu einem kleinen, lohnenden Spaziergang.

Die nächste Station, Bad Ems, lassen wir aus, da wir uns gerade erst wieder in die Plünnen gepackt hatten. Ich war schon länger nicht mehr hier und bin völlig hingerissen von der Eleganz des ehemaligen Kaiser-Bades. An der breiten Uferpromenade stehen beeindruckende Kurhäuser und das üppig verwendete Gold in den Fassaden und auf den Zwiebeltürmen der orthodoxen Kirche schimmert einmalig in der Sonne. Viel Geld haben die höchsten Fürstenhäuser der Welt hier vor über 100 Jahren investiert um es sich in der Sommerfrische gut gehen zu lassen. So gedanklich beladen mit mondänem Pomp bemerke ich weiter flussabwärts erst spät eine Art Insel in der Lahn, die Oberau. Die Gebäude hierauf sehen aus wie alte Industriebauten. Die Insel zieht sich lange parallel zum Flussverlauf. Es ist die Schlackenhalde der ehemaligen Nieverner Hütte, hier wurde vieles aus Eisen hergestellt, vielleicht kennt die eine oder andere Oma noch die gusseisernen Töpfe aus Nievern, sie sollen Weltruf haben. Im Buch steht dazu, dass sich nach einigen Jahren des Staunens der edlen Kurenden über das archaische Tun des Eisenabstechens ein Bürgermeister von Bad Ems Anfang des 20. Jahrhunderts darüber beschwert, dass das entstehende Abgas den Gästen gesundheitlich nicht zuträglich sei. Heute wissen wir noch viel viel mehr ;-).

Etwas weiter flussabwärts wollte ich eigentlich eine kurze Wanderung durch die Ruppertsklamm unternehmen. Doch der Parkstreifen vor der Klamm ist recht voll und mittlerweile wäre wieder Zeit für eine kleine Pause, so führt uns Verena zur alten Maximiliansbrauerei direkt am Rhein, ein großer Biergarten in der Sonne. Die Lahn selbst ist hier schon sehr verbaut, eine breite Schnellstraße begleitet sie ab Bad Ems, schnürt sie an manchen Stellen ein, ringelt sich kurz vor Lahnstein sogar in abenteuerlichen Brücken und Überführungen über sie hinweg, so dass die Mündung der Lahn in den Rhein ein Ereignis ist, dass man in den Einbahnstraßen von Lahnstein suchen muss.

Frisch gestärkt geht es jetzt nur noch darum, auf möglichst schönen Umwegen nach Schlangenbad zu kommen. Dabei kurven wir eine wahre Heizerstrecke zur Lahnklinik rauf und von da wieder zum Rhein runter, nur um uns wieder durch etliche Kurven den nächsten Hang rauf zu kringeln, yipieh! ;-). Das Wispertal am Nachmittag hat auch etwas, endlich mal gute Sicht, kaum Verkehr und fast trockene Straßen. Die Ankunftszeit am Zielort wird mit kurz vor 5 angegeben, das passt ja prima, wenn unsere Verabredung auch so pünktlich ist.

Tja – ausgemachte Treffpunkte, in Zeiten allgegenwärtiger Technik eigentlich kein Problem mehr. Wenn’s später wird oder man die Stelle nicht findet, ruft man halt an. Schade nur, dass weder Wartender noch bereits Angekommene von zwei Eingängen zum Bad wussten. Nach fast einer halben Stunde haben wir uns dann doch gewundert, dass er noch nicht da war. Aber uns ging’s ja nicht schlecht nach der ersten Runde Baden, nun war Entspannen angesagt und wie wir so den Blick nach draußen schweifen lassen, steht doch da gegenüber, vor dem anderen Eingang, ein Mann neben einem Motorrad. Erkannt haben wir ihn gleich und wollen auch winken, doch er guckt immer irgendwo anders hin: Auf sein Handy, auf sein Moped, in die Gegend, blos nicht zu uns. Der Arme, gut dass es heute nicht ganz so kalt ist. Unsere Handys liefen mittlerweile im Schrank liegend mit Wort- und Textnachrichten voll ;-). Aber keine Sorge, wir fanden schlussendlich noch zueinander und auch wieder zum Platz zurück.

Dort hatten sich inzwischen eine Menge Leute eingefunden, der Kreis um das Feuer war groß wie nie. Nach einer mal wieder etwas lauten Nacht, (alle Herren in den Zelten um mich herum beteuerten, sie würden nie schnarchen...) wurde flott gefrühstückt, gepackt, zum Abschied gedrückt und in alle Herren Winde losgefahren.
Mein Ziel war zunächst wieder die Lahn, diesmal war es Obernhof mit dem beeindruckenden Kloster Arnstein. Als ich am Kloster vorbeifahre kündigen die Kirchenglocken einen Gottesdienst an, da will ich nicht stören ;-). Ich ziehe es vor, die etwas klammen Finger am Flussufer in der Sonne und am Motor zu wärmen.

Oberndorf und Weinähr, jaaa genau Weinähr, der Einstieg zum legendären Gelbachtal, sind die einzigen Weinbaugebiete an der Lahn. Der Wein schmeckt ähnlich dem der Mosel, ist sehr rar und wird mit viel Mühe in extrem steilen Lagen angebaut. Auf der Weiterfahrt führt mich das GPS durch das Kannenbäckerland und schließlich über eine sehr alte Straße nach Isenburg, eigentlich ist sie für Fahrzeuge gesperrt aber bei diesem Wetter habe ich kein Angst jemanden zu stören. Und so holpere ich bergab über das uralte Pflaster, das aus dem gleichen Material wie die Isenburg besteht und auch genauso löcherig ist ;-). Doch die Romantik findet ein jähes Ende. Nein, kein Förster versagt mir die Weiterfahrt, mehrere seiner Schutzbefohlenen, ein paar Fichten, haben sich mir in den Weg geworfen, kreuz und quer - für's neue Moped zu eng, zu matschig, zu riskant. Also wenden, wieder bergauf holpern und die steilen Serpentinen runter in’s enge Tal der Isenburg. Aus jeder Kehre heraus erhasche ich einen neuen aufregenden Blick auf den alten Ort und die alles überragende Burgruine. Nun habe ich für dieses Wochenende genug schöne fremde Landschaft gesehen, ich habe eindeutig Heimweh. Da kommt mir die nette Straße am Iserbach entlang Richtung Norden und nach Hause gerade recht.

So war er dann doch ein besonderer Rabenkopf, der letzte in 2008.
Ich hoffe, ich treffe den ein oder anderen mal woanders mit genauso guter Laune und finde einen anderen Grund im März in diese Gegend zu fahren, vielleicht ja irgendwann mal sogar bei warmem Wetter. Zu entdecken und zu erleben gäbe es für mich noch so viel.

Danke Rabenkopfer für die schönen Wochenenden und danke an alle Begleiter auf den zahlreichen Touren.

Claudia