3. Weichei-Nikolausrallye 2008
Eigentlich wollte ich bei diesem Shitwetter erst gar nicht mit dem Mopped zur Rallye fahren. Und eigentlich sollte ich eh wieder die „Mädchen-Straßentour“ anführen, doch bei dem Wetter wird es sicher auch an „Mädchen“ mangeln. Beim frühmorgendlichen Blick aus dem Fenster sieht es halbwegs trocken aus, vielleicht reicht es ja doch zumindest für eine Straßentour.
Kaum sitze ich, gestiefelt und gespornt, auf der Transalp (die KTM habe ich wohlweislich im Stall gelassen, da ich eh bloß Schw… äh Mädchentouren fahren wollte), fängt es natürlich an zu regnen. An einer Tankstelle fülle ich die Spritvorräte nach und kontrolliere den Luftdruck. Da kommt auch schon Volker auf seiner Ténéré angedüst und wir setzen gemeinsam den Weg zu Marcel fort. Als wir etwas durchfeuchtet dort eintreffen, sind die Vorbereitungen schon im Gange. Tische und Bänke werden abgeladen und aufgestellt, frischer Kaffee dampft in den Kannen, Benzingespräche. Carsten und Lutz halten das Briefing vor dem Start ab. Die meisten der angemeldeten „Enduro-Stars“ haben sich mit fadenscheinigen Gründen vor der Teilnahme gedrückt, so dass nur knapp das halbe Fahrerfeld am Start ist. Diese besteht natürlich aus harten und wasserdichten Männern, sowie zarten aber toughen Mädels ;-). Beim Briefing werden die Regeln erklärt. Ziel ist es, möglichst viele Nagelpunkte (Metallplättchen in die mit Schlagzahlen Nummern gehämmert und an Bäumen befestigt wurden) anzufahren und diese durch abrubbeln mit einem Bleistift auf einem Auswertebogen zu übertragen. Um diese Punkte zu finden, hat jeder die entsprechenden GPS-Koordinaten bekommen. Hört sich zunächst einfach an, doch durch die begrenzte Genauigkeit der Geräte, ca. 5 bis 10 Meter, kommen zum Teil viele Bäume in Frage, an denen die Nagelpunkte hängen. Es gilt außerdem zwei Pausenpunkte anzufahren, an denen Sonderprüfungen abgehalten werden.
Kaum sind die Regeln klar, sind die Mädels auch schon auf Achse. Die harten Jungs zieren sich noch ein paar Minuten vor dem Regen, dann fahren auch sie endlich los. Zusammen mit Volker, der kein GPS hat und sich deshalb führungstechnisch an mich bindet, düse auch ich los. Eigentlich, ja wirklich eigentlich, wollte ich ja nur Straße fahren. Doch dann entscheiden wir, wenigstens die Punkte mitzunehmen, die nahe an der Straße liegen. Da es kaum solche günstig gelegenen Anfahrpunkte gibt, glitschen wir doch lange Passagen über aufgeweichte Feldwege. Zum Teil rudern wir wild mit den Beinen, denn mit dem wenigen Profil unserer Straßenreifen, hat man in dem Matsch kaum eine Chance halbwegs vernünftig vorwärts zu kommen. Nach dem die Moppeds dann kiloweise mit dem Dreck besudelt sind, ist es dann auch egal und wir sind nicht mehr so wählerisch, was die länge der Strecke angeht. Rein in die Schei**e und durch. Ab und zu treffen wir auf Konkurrenten, die auf leichten Hard-Enduros mit geeigneten Reifen wie spielerisch an uns vorbei ziehen. Na ja, so kann’s ja jeder. Damit wir es nicht ganz so leicht haben, schleppen wir auf unseren Reisedampfern neben einem Topcase auch noch eine Rolle mit Schlafsack, Wechselklamotten für heute Abend usw. mit ;-).
Zumindest sind wir als Erste am Pausenpunkt Nummer 1. Nach einer Stärkung mit heißem Kaffe und Lebkuchen, beginnen wir mit den Sonderprüfungen. Als da wären: Stiefelweitwurf, Büchsenwerfen und Fahrschulbogen ausfüllen. Außerdem bekommt jeder die Nudel vermessen – Länge zählt! Damit dies niemand falsch versteht, am Start bekam jeder eine trockene Makkaroni mit, die er/sie möglichst heil zur Sonderprüfung bringen musste und das längste Stück Nudel brachte Punkte. Nach den harten Prüfungen quälen wir uns wieder schmatzend durch die weichen Böden der Gegend und kämpfen mit den Übergewichten unserer Boliden, die sich teilweise quer zur Fahrtrichtung die Hänge hinauf winden oder hinab rutschen. Kurz vor 16:00 Uhr, dem letzten Termin, um am Pausenpunkt 2 in Wertung einzutreffen, erreichen wir diesen und werden wieder sondergeprüft. Hier müssen wir - außer Kaffee und Lebkuchen zu uns nehmen – mit einem Kindermotorrad zwei Runden über einen abgesteckten Parcours fahren. Zuerst denke ich, gar nicht so einfach, aber dann klappt es prima. Ich erlebe wie viel Spaß es im Schlamm macht, wenn das Mopped leicht ist und die Reifen gute Traktion haben. Das nächste Mal nehme ich so ein kleines 125er Teil, um bei der Rallye auch eine Chance zu haben ;-). Der zweite Pausenpunkt ist gleichzeitig das Ende des Punktesammelns. Jetzt wird es nämlich dunkel und dann macht es keinen Sinn mehr, durch die Landschaft zu düsen und kleine Nummernplättchen zu suchen. Außerdem wollen die Grills angeheizt werden und auch Glühwein oder Kaltgetränke warten auf die Teilnehmer. Nach dem Essen werden die Sieger geehrt. Leider stehen nur 11 von ursprünglich 23 gemeldeten Teilnehmern auf den Podesten (bei uns ist ja jeder ein Gewinner). Am Ende gewinnt schon wieder Norbert den Pokal. Er hatte sich am besten durchgebissen, die meisten Punkte beim Rubbeln und in den Sonderprüfungen gesammelt, auch wenn die Konkurrenz ihm knapp auf den Fersen war.
Bis in die Nacht hinein wurde dann gefachsimpelt, gegessen und getrunken. Auch machten Geschichten die Runde, von tollen Fahrern und Fahrerinnen, von weicheiernden Absagern ;-), von besonders rutschigen Steigungen, oder versteckten Nagelpunkten, vom Regen und vom Schlamm, von gerissenen Gaszügen und heldenhaften Rettungsaktionen, aber auch von Rittern, die Prinzessinnen töten und Drachen retten ;-).
Carlo
