Tunesien und Libyen 2007/2008 - Album 1
Präambel
Um in Libyen - soweit es zur Zeit geht - individual zu reisen, sind einige Kompromisse nötig. Man benötigt eine Agentur in Libyen, die einem eine Einladung ausstellt und das Visum besorgt. Außerdem ist, je nach Gruppengröße und Anzahl der beteiligten Fahrzeuge, die Mitnahme wenigstens eines Begleiters (der dezidiert kein Führer ist) und eventuell eines Polizisten nötig. Da wir mit einem zum Wohnmobil für 2 Personen ausgebauten Toyota Landcruiser (HZJ75) und zwei Motorrädern (Suzuki DR-Z 400) unterwegs sein wollten und damit alle verfügbaren Plätze vergeben waren, benötigten wir einen Begleiter, der mit einem separaten Fahrzeug fuhr. Das alles kostet natürlich Geld. Zum Teil wird dies jedoch dadurch kompensiert, dass die Lebenshaltungskosten und die Preise für Kraftstoff in Libyen für unsere Maßstäbe niedrig sind.
Um nach Libyen zu kommen, hat sich für Europäer die Einreise über Tunesien etabliert. Die Fähre von Genua nach Tunis fährt wöchentlich, der Weg zur Grenze bei Ras Adjir ist komplett auf Asphalt zurückzulegen. Leider konnten wir nicht alle gemeinsam losfahren, Tina ist Lehrerin. Anfang und Ende der Weihnachtsferien lagen etwas ungünstig, also ist sie nach Djerba geflogen und wurde von Lutz mit dem Toyo abgeholt; auf dem Rückweg ist sie dann auch wieder von Djerba zurück geflogen. Das gab uns drei Jungs (Marcel, Lutz und Hans) Zeit, in Tunesien bekannte Orte wieder zu besuchen und neue Wege zu finden.
Das Folgende ist eine Zusammenfassung von Emails, die Lutz während der Tour von unterwegs an einen kleinen Kreis von Verwandten und Freunden geschickt hat. Die Ereignisse sind deshalb zum Teil nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt.
Noch eines: Lutz hatte kurz vor der Abfahrt arge Problem mit seinem Rücken. Im seinem Bericht finden sich einige Hinweise darauf, speziell sein Bedürfnis nach Wärme ist damit erklärt.
Dienstag, 18.12.2007
Ich sitze hier bei wenig attraktiven 8°C im Schlafsack eingewickelt im Toyo, schlürfe meinen ersten Kaffee bei dezenter Beschallung von U2 und genieße den Morgen. Eigentlich insgesamt wieder ganz attraktiv! Es ist 8:00 Uhr und meine beiden Mitreisenden, Hans und Marcel, rühren sich noch nicht. Würde ich wohl auch nicht machen, draußen sind es nur 4° und sie schlafen ja im Zelt.
Aber Besserung ist abzusehen: Der Himmel ist blau und die Sonne erleuchtet schon die Palmenwipfel des Campingplatzes von Tozeur. Und außerdem sind wir ja in der Sahara - da ist es immer warm und trocken!
Heute fängt unser erster richtiger Urlaubstag an, wir wollen die Kulissen von Star Wars (Mos Eisley) besuchen. Hier in der Gegend wurden die Tatooine Szenen des ersten Star Wars (Episode IV) gedreht und die Kulissen werden von den Einheimischen liebevoll gepflegt und vermarktet.
Aber von vorne:
Am Freitag sind wir mit ein wenig Verspätung um 21:00 Uhr in Rheinmünster losgefahren. Hans, Marcel und ich. Die beiden Suzuki DR-Z 400 von H&M hinten auf einem Heckträger am Landcruiser dabei. Die Fahrt nach Genua war für mich recht ereignislos. Bis Luzern bin ich gefahren und dann habe ich an Marcel übergeben und mich hinten im Toyo eingerollt. Als ich wieder aufgewacht bin und Hans am Steuer gefragt habe, wo wir sind, sagte er, "20 km vor Genua". In grandiosen 8h sind wir mit einem Schnitt von 85km/h (bei Spitze 90-95km/h) nach Genua gekommen. Ein wenig zu früh, aber was soll's.
Angekommen am Fährhafen, war Marcel am Meckern über die unbequemen Sitze unseres Toyos (einfache von Recaro) und das jetzt ja gar keine Panik aufkommt, wegen Einchecken und so. Kein Motorrad auf dem Campingplatz abladen, umrödeln, umziehen und zur Fähre fahren, sondern einfach nur einrollen und schlafen, bis es losgeht. Naja, nächstes Mal darf er mit seinem REO fahren.
Um 13:30 Uhr ging die Habib dann mit nur 2,5h Verspätung ab. Die Fähre ist besser als ihr Ruf. Sie ist deutlich kleiner als die neuere Carthage und damit auch deutlich anfälliger für Seegang. Für Leute, die leicht seekrank werden, sicherlich anstrengender. Aber vom Standard her ist sie nur wenig schlechter als die Carthage und wegen der viel weniger Menschen an Bord eigentlich entspannter. Die Zollabfertigung kann - entgegen anderer Berichte - auch an Bord erledigt werden.
Allerdings ist die Habib auch langsamer und eben das Schiff 2. Klasse. Als wir um 16:00 Uhr vor dem Hafen von Tunis ankamen, hat das Schiff erstmal ohne ersichtlichen Grund rund 4h auf der Stelle gelegen und gewartet. Damit hatten wir standesgemäße 6 Stunden Verspätung. Die meisten Passagiere hatten bereits die Kabinen verlassen und lungerten auf den Gängen rum. Super! Wir hatten störrisch unsere Kabine gegen das Reinigungspersonal verteidigt und konnten schlafen. Nach 20 Uhr sind wir dann endlich eingelaufen. Hier offenbarte sich ein weiterer Nachteil der Habib: Wir waren nur 5 Touristen-Autos auf der Fähre und so gab es keine bevorzugte Abfertigung für Touristen. Also zog sich das Ganze, mit uns zwischen tunesischen Heimaturlaubern mit 3m hoch beladenen Dachträgern mit Kühlschranken, Fahrrädern, Türen, Taschen und Koffern, ein wenig in die Länge.
Um 0:30 Uhr hatten wir es dann doch geschafft: Wir waren aus dem Fährhafen. Bis zur Jugendherberge in Rades waren es nur wenige Kilometer und zum Glück hat uns der Nachtwächter noch rein gelassen. Marcel war schon wieder enttäuscht, dass er nun nicht im Regen bei Kälte auf dem Mopped saß, sondern einfach so warm durch die Gegend gefahren wurde. Angesichts der Tatsache, das es in Tunesien keine Heizungen gibt und es in den Räumen genauso kalt wie im Toyo (oder eher kälter) war und die Matraze genau 65 Spiralfedern besaß, die alle einzeln zu fühlen waren, bin ich im Auto geblieben und habe die Monster-Iso-Matraze von Micha getestet. (DANKE).
Mittwoch, den 19.12.2007
Gestern sind wir dann erfolgreich die Runde zu den Star Wars Kulissen gefahren. Die Kulissen haben in den letzten 3 Jahren massiv gelitten. Eigentlich muss man mittlerweile sagen: Sie sind in einem schlechten Zustand und erfallen zusehens. Schade. Die Runde war so zum Eingewöhnen ganz nett. Marcel ist nach einem alten Track von Tina und mir voraus und nachdem er so was sagte wie, "wir fahren ja in Sichtkontakt", war er wech und Hans hintendran. Kein Problem, ich weiß ja wo es hingeht. Und im Gegensatz zu vor 3-4 Jahren fühlte ich mich "da draußen" mittlerweile auch nicht mehr "einsam". An den Kulissen haben wir uns dann wieder getroffen. Um die Kulissen herum sind ja einige Dünen, die ich dann schon mal übungsweise runter konnte.
Wieder in Tozeur hat Marcel endlich seine Gazellenhörnchen bekommen. Ja, wieder einer glücklich! Leider war der Markt schon dicht und so war nix mehr mit Kartoffeln, Möhren und so. Wir wollten ja noch Lebensmittel für die Zeit in Libyen einkaufen. Na, hoffentlich heute - es ist nämlich Hammelfest. Abends gab es den ersten Glühwein und ich habe in der Nacht mal testweise auf beiden Monster-Matratzen von Micha genächtigt. Das hat mir gleich heute Morgen den Namen "der Prinz auf der Erbse" eingebracht. Aber mein Rücken hat es mir gedankt. Und eine Meldung stimmt übrigens nicht: die rote Matratze knartscht gar nicht - oder ich mach da was falsch?
Was das Schlafen bei mir angeht ist das hier auch eine echte Weichei Tour: Ich nehme abends immer mein Heizkissen mit in den Schlafsack und so ist der in der Rückengegend schon warm, wenn ich dazu krieche. Klar - das geht nicht lang. Ich will am Morgen ja noch den Motor starten können. Aber eine halbe Stunde ist gut. Die Nacht in 2 Schlafsäcken und Inlett ist dann wirklich ok. Die letzten beiden Nächte war es mitten in den Nacht dann auch ab und an zu warm. Wenn ich dann so gegen 5:00 - 6:00 Uhr wieder aufwache mache ich mir das Heizkissen wieder an und bis zum Aufstehen so um 7:00 Uhr ist mein Rücken dann nicht mehr so grätig. Heute Morgen ging es sogar fast gut. Kurzum: Ich muss auf den Rücken aufpassen und immer schön warm halten, aber derzeit geht es. Tagsüber sind die Probleme meist sogar ganz weg. Hört sich vielleicht komisch an, aber den Autositz mag er, der Rücken.
Mittlerweile ist es 10:20 Uhr. Heute morgen hat der Muezzin besonders schön geträllert und danach gab es eine Litanei von ca. einer Stunde Länge. Hörte sich so an, als würde ein Naturstamm bei Lagerfeuer und berauschenden Drogenrauch ums Feuer tanzen und "Hmmmmshhnnsgghdgsfhhsgffdhsdfztfjfdhsgzdhb" brummeln. Ich vermute, danach mussten heute verdammt viele Hammel ihr Leben lassen. Ist ja Hammelfest. Jetzt ist's wieder ruhig - bis auf die Kinder, die heute wohl frei haben und daher hinter dem Campingplatz spielen.
Die Sonne ist mittlerweile über die Palmen hinweg und so kann ich hier gemütlich in der Sonne sitzen und die Mail schreiben. Gegen Mittag wollen wir rüber nach Douz. Einfach direkt ohne Umweg. Das sind dann 120km oder so. Also nicht wirklich weit. Aber Kilometer haben wir diesen Urlaub noch genug. Morgen wird dann eh wieder stressiger: Tina auf Djerba abholen und ein Hotel möglichst dicht an der Grenze nach Libyen finden. Also heute noch mal einen ruhigen Tag machen.
Donnerstag, 20.12.2007
Ja, nun können wir auch berichten, was das Hammelfest für nicht hammelige bedeutet: Leere Straßen, kaum offene Läden und irgendwie ein totes Land. Also so überhaupt nicht aufregend. Eigentlich wollten wir mittlerweile x Kilo Gemüse im Auto liegen haben, aber es gibt nix. Unglaublich!
Die Überquerung des Chott El Jerid war erwartungsgemäß langweilig. Halt ein Salzsee mit viel Nichts zum bestaunen. Ich kann da wenigstens noch bequem im Auto sitzen und beim Musik hören vor mich hin träumen. Hans und Marcel auf den Moppeds haben es da deutlich langweiliger und bei Tempo 90 ist es auch ganz schön frisch da draußen. Wir haben halt nur 10-12°C Lufttemperatur, immerhin über dem Gefrierpunkt. In der Sonne ist das gut zu ertragen, aber im Fahrwind hilft die Sonne nicht viel. Die Nächte werden derweil immer ein wenig kälter. Heute morgen hatte ich unter der Stoßstange noch 1.5°C. Da fällt das Aufstehen nicht leicht. Aber Marcel hat beschlossen, dass es in Libyen warm wird.
In Douz war bei unserer Ankunft der Hund begraben. So tot habe ich die Stadt noch nie gesehen. Der Campingplatz war entsprechend leer. 2 Geländewagen, 2 Wohnmobile und ein Pinzgauer mit Getriebeschaden. Nein, nicht noch einer, sondern der, dem wir beinahe das Hyper-Spezial Getriebeöl mitgebracht hätten (da hatte sich dann kurzfristig noch ein anderer gefunden, bei dem die Organisation bequemer war). Beim Ali Baba haben wir dann ganz traditionell gegessen und natürlich gefroren. Zum Glück hat Ali (oder Baba oder wie er heißt) noch die Kohleschale bei uns am Tisch vorbei gebracht. Da haben wir dann also zum Schluss zu viert (mit Ali) um die Wärme gesessen und uns gefreut. Dabei haben wir gestern festgestellt, dass das Erfolgsrezept von geschäftstüchtigen Tunesiern eindeutig ist: Immer so tun, als würden sie dich noch genau vom letzten Mal kennen... Eigentlich kennt uns sozusagen die halbe Stadt.
Ich bin gestern früh ins Bett. War irgendwie kaputt. Vielleicht kommt es durch mein frühes Aufstehen (ich bin halt doch immer früh auf, weil ich nicht mehr liegen mag) oder ich bin halt noch nicht so fit nach den letzten Wochen. Egal. Im Bett ist auch deshalb gut, weil warm. Ich habe mich also wieder auf meinen zwei Isomatten in meine zwei Schlafsäcke eingerollt und habe super bis 5:22 Uhr geschlafen - da kam dann der Muezzin auf die Idee den Weckdienst zu spielen. Naja, mein Rücken war heute Morgen auch grätiger als normal und auch das Wärmekissen hat nicht geholfen. Jetzt, nachdem ich ein paar Stunden durch die Gegend getapert bin, geht es wieder. Fast weg.
Tina sitzt mittlerweile in Marseille und wartet auf den Flieger nach Tunis. Dort steigt sie dann noch mal um nach Djerba. Wir machen uns auch gleich auf. Ich nach Djerba um Tina abzuholen und Hans und Marcel nach Zarzis um dort ein nettes Hotel für die Nacht aufzutun. Dort treffen wir uns dann heute Abend wieder - Inch'Allah. Eigentlich ist alles wie immer: Man kann gemütlich in der Sonne sitzen und das Leben genießen. Marcel hüpft gerade auf dem Dach des Toyo rum, laut fluchend über verdrehte Spanngurte und verzurrt das Motorrad-Gepäck.
Gemüse konnten wir immer noch nicht kaufen. Anscheinend müssen die Händler nach der gestrigen Orgie (von der wir wie gesagt nicht viel mitbekommen haben) noch ihren Rausch ausschlafen. Gemüse ist jedenfalls nicht zu bekommen. Vielleicht in Medenine oder Djerba oder Zarzis. Mal sehen...
Später: Mittlerweile stehen wir in Ghadames - das ist am Südzipfel Tunesiens, nur etwas südlicher und deshalb eben in Libyen. Am Donnerstag habe ich dann noch planmäßig Tina in Djerba abgeholt. Die Insel ist echt abgeschottet. Mehrere Kontrollen, inklusive Fahrzeugdurchsuchungen. Angst vor neuen Anschlägen, denke ich. Unser Hotel in Zarzis war gut. Irgend so ein Touri-Haus in dem im Sommer sicherlich der Bär steppt. Jetzt war es eher dünn besucht. Außer uns waren noch ein paar andere deutsche Pauschalis da. Aber die Halbpension hat man gerade 35 Dinar (also ca. 20 Euro) pro Nacht pro Person gekostet. Und Heizung und heiße Dusche gab es auch. Was will man mehr?
Freitag (21.12.2007) war der große Tag der Einreise in Libyen. Eigentlich fast ereignislos. Wirklich unglaublich war aber der Spritschmuggel an der Grenze. Auf den letzten Metern vor der Grenze waren rechts und links nonstop "Tankstellen" (aus Kanistern) und überall standen Autos, deren Tanks gerade in Kanister umgefüllt wurden. Sprich: Mit dem Auto rüber, randvoll tanken und den getankten Sprit in Tunesien wieder verkaufen...
Ausreise von Tunesien. Spannend: Die Ausreise funktioniert eigentlich schon nur mit der Einladung der Libyschen Agentur. Mit dem Brief in der Hand wieder kein Problem. Die Tunesier haben uns dann gleich an die Libyer weiter gereicht. Erste Erkenntnis: In Libyen ist nix mehr mit Englisch/Französisch oder was auch immer. Nur noch arabisch! Zum Glück war der tunesische Zöllner freundlich genug für seinem Kollegen aus Libyen - oder eigentlich mehr für uns - zu übersetzen. Der hat uns intensiv nach Alkohol (offiziell ist die Einfuhr verboten) befragt. Aber wir sind kollektiv bei "haben nix" geblieben. Das erwartete Filzen blieb dann aus. Hmmm. Fein, das wär dann blöd gekommen!
Die eigentliche Einreise ging dann nur noch mit Hilfe der Agentur. Wir waren später dran als erwartet, aber Asem (der Chef der Agentur) war da und hat alles für uns geregelt. Anschließend sind wir 50 km nach Zuara hinter ihm her gefahren in sein Büro. Auf dem Weg gleich noch Tanken. Diesel kostet 9 Cent/Liter. Benzin kostet so wenig, dass unsere Mopped-Fahrer den Preis nicht einmal wissen. Im Büro haben wir dann die große Rechnung beglichen und Geld getauscht.
Unser Begleiter (explizit kein Führer! Sie wüssten nicht überall, wo es langgeht...) ist nicht einer, sondern zwei. Die beiden (Sala und Wossi) sind in einem FJ75 unterwegs. Also gleiche Karosse wie unser Toyota. Deutlich verbeulter, aber ok. Und unter der Haube tourt ein 4,2 l (oder so) Benziner. Bei den Spritpreisen bezahlbar - aber viel unter 20 l/100km wird da nichts gehen. Dementsprechend hat er im Innenraum auch noch mal einen großzügigen Tank und sie kommen auf 300l Benzin! Die beiden sind eigentlich ganz ok. Wermutstropfen: Obwohl anders "bestellt", sprechen die beiden kaum englisch oder was anderes. Wossi kann ein paar Worte, aber prinzipiell sind Hände und Füße gefragt. Schöner wäre es, wenn man sich richtig unterhalten könnte. So ist es auf den Austausch von wesentlichen Infos beschränkt. Schade, aber nicht zu ändern. Die beiden regeln aber alles was uns so unterwegs begegnet. Polizeikontrollen bekommen unsere Fahrgenehmigung in Kopie ausgehändigt und weiter geht es. Am Cafe bestellen sie unseren Cappuccino (aus Nescafe! Brrrrrr!) aber auch lecker Hammel-Burger, also ein Stück Baguette mit Harissa bestrichen und verdächtig zarten Hammel- oder Kamel-Stückchen drauf.
Am Freitag sind wir noch bis kurz hinter Nalut gekommen (das war stinke langweilig) und haben im Feld campiert. Libyen ist soweit recht eintönig. Viel Steinwüste und noch ein wenig mehr Steinwüste. Unsere Begleiter schlafen "landestypisch" auf dem Boden mit relativ spärlicher Ausrüstung. Irgend so eine Matraze auf einem Teppich mit Decken und wenigstens einem (dünnen) Schlafsack. Sie haben in der Nacht jedenfalls gefroren (es war recht windig und Marcel meinte schweinekalt). Ansonsten halten sie sich ein wenig abseits von uns.
Samstag (22.12.2007) war dann ein spannender Tag: Wir hatten Sturm! Und damit auch eine bedeutende Menge Sand in der Luft. Es war einfach Weltuntergangsstimmung. Für uns standen ca. 300km auf dem Programm - der Weg nach Ghadames, bzw. kurz davon bis zu einem See an dem wir campen wollten. Zum Glück war es auch ein wenig wärmer geworden und Hans und Marcel haben es nur unbequem auf den Moppeds gehabt, aber nicht allzu gefroren. Teilweise hatten wir soviel Wind von schräg vorne, dass der Toyo im 4. Gang man gerade 80 km/h halten konnte. Dabei wehte der Sand flach über die Straße, so dass man die Strasse nicht mehr sehen konnte. In den paar Orten, durch die wir kamen war die Hölle. Die Orte liegen ja naturgemäß eher in Senken, in denen es ein wenig Wasser gibt (also quasi Oasen in Flussbetten oder so) und da gibt es auch mehr Sand. Dementsprechend konnte man ohne Motorradbrille fast nicht aus dem Auto, das mussten wir aber auch nur einmal zum Tanken. Getankt wird eh immer, wie es geht. Tanks voll halten lautet die Devise - es kann immer sein, dass es an der nächsten Tanke nix gibt.
40km vor Ghadames sind wir dann an den See von Mzezem. Das ist ein kleines Wasserloch welches erhöht über der Ebene steht. Total salziges Wasser, aber drum herum stehen auch Büsche. So gab es dort ein wenig Windschutz und es bot sich zum Campen an. Solche Seen kenne ich aus Australien. Dadurch, dass sie Sedimente an die Oberfläche tragen und durch die Pflanzen drum herum, die ja absterben und höher wachsen, wachsen die Seen aus der Ebene heraus. Sieht dann aus wie ein kleiner Vulkankegel mit einem Kratersee in der Mitte.
Am Sonntag, 23.12.2007...
...wollten wir in der Früh kurz nach Ghadames rein und uns die historische Altstadt ankucken und dann weiter nach Süden... Soweit kam es dann nicht: Hans erreichte leider die Stadt nur knapp mit eigener Kraft. Der Verdacht stand auf verstopftem Vergaser. Damit war die Weiterfahrt an dem Tag erstmal erledigt. Wir haben uns auf dem Gelände der Jugendherberge einquartiert. Tina und ich im Auto, Hans und Marcel im Zimmer. Der Preisunterschied war nur winzig - aber wie gewöhnlich war der Qualitätsunterschied der Betten groß - also im Auto bleiben :-).
Ah, wo war ich? Vergaser... Ich machte mich mit unseren 4 Pässen auf um den so genannten Dreiecks-Stempel zu besorgen. Das ist der "Meldestempel", den man sich besorgen muss, wenn man länger als eine Woche im Land ist. So ein Vorgehen ist übrigens in vielen Ländern üblich. Andere wie z.B. Syrien und Jordanien haben das gerade erst abgeschafft. Als ich eine gute Stunde später wieder zurück war hatten Hans uns Marcel den Vergaser fast wieder drin. Eine Probefahrt später kamen sie zurück und berichteten, dass der Vergaser jetzt zwar schön sauber ist, aber nicht das Problem war. Es war der überbrückte Sicherheitsschalter vom Seitenständer mit einem Wackelkontakt.
Egal wie - zum Weiterfahren war es mittlerweile zu spät, also haben wir uns in Ruhe die Altstadt angekuckt. Diese wird eigentlich nur noch aus touristischen Gründen gepflegt - ist aber sehr schön anzusehen. Kleine verwinkelte Lehmbauten, teilweise mit ummauerten Palmengärten und oft sind die Gänge nur Tunnel zwischen den Häusern durch. Wenn im Sommer die Sonne brennt sicherlich eine gute Idee. Selbst jetzt war es teilweise zwischen den Häusern unglaublich kalt. Irgendwie hatten wir dann auch den Weg aus der Altstadt gerade vorm Dunkelwerden wieder herausgefunden. Da in den Gängen kann man echt verloren gehen.
Wir waren unseren Begleitern nach dem Duschen "entwischt" und als wir vor der Altstadt ankamen, waren sie auch da. Jetzt wieder aus der Stadt zurück, stand ihr Wagen noch vor dem Eingangstor. Wir machten es uns in einem richtig schön touristischen Restaurant gleich um die Ecke bequem und haben für unglaubliches Geld gegessen. Zugegeben: Es war gut und ein ganzes Menu - aber eben auch echt teuer für Libyen! Wir waren noch nicht ganz fertig, als uns Sala und Wossi wieder aufgespürt hatten. Irgendwie hatten wir mittlerweile den Eindruck, dass sie uns echt im Auge behielten. Ob aus Pflichtgefühl oder aus anderen Gründen werden wir nie herausfinden. Als wir dann mit dem Essen fertig waren sind sie jedenfalls auch los zurück zur Herberge. Halb auf dem Weg durch die Stadt haben wir dann noch wieder einen Abstecher zu einem Laden gemacht, um eine Palette Pepsi Light zu kaufen, und wir sind ihnen wieder "entwischt". Ich vermute sie waren anschließend fertig...
Gestern, an Heiligabend, haben wir dann die Strecke Ghadames - Al Awaynat in Angriff genommen. Die Route sagt so was wie 650km Länge. Davon ca. 150 km düniges Gebiet, der Rest ist Piste. Die Piste lief soweit wirklich gut. Bis um 16:30 Uhr - unser obligatorisches Ende ist um 16:00 Uhr, aber da gab es nix zum Campen - hatten wir 210km auf dem Tacho. Soviel Nix ist echt unglaublich! Und zwischen dem Nix gab es noch mehr Nix! Ich meine so eine Steinwüste hatten wir alle schon mal gesehen. Aber nach ca. 100 km Strecke war die Landschaft potteben und kein Strauch und nix. Nur eine steinbedeckte Ebene. Dazwischen irgendwie eine vezweigte Piste, die sich mal verlor oder wieder neu zusammenfand. Die Landschaft war leicht wellig und man hatte immer so das Gefühl: Fahr doch mal auf die Anhöhe da - und dann stellte man fest: Danach kam nur die nächste Anhöhe. oder es war einfach der Horizont. Kurzum, die Menge Nichts war umwerfend. Wir sind uns jedenfalls alle einig: Es lohnt sich mal soviel Nichts gesehen zu haben. Die Navigation ohne GPS oder gar ohne Kompass ist schlichtweg unmöglich! In alle Richtungen sieht es gleich aus und kein einziger markanter Punkt, auf den man zufahren könnte. Um für die Nacht wenigstens ein wenig Windschutz zu bekommen sind wir bis zu einem Abbruch gefahren - hier kam man von einer Ebene in die nächsttiefere Ebene mit 20 Höhenmetern Differenz. An der Kante haben wir dann in einem Einschnitt einen brauchbaren Platz gefunden. Am Abend hat Tina dann ein festliches Heiligabend Menu gezaubert: Gulasch mit Spätzle und Rotkohl. Für Hans (unseren Vegetarier) gab es ersatzweise ein paar Sojawürste. Ja, schlecht leben wir hier nicht! Bei einem kleinen Lagerfeuer (wir hatten zum Glück am Mittag noch Holz gesammelt und auf dem Dach verstaut) haben wir dann den Abend ausklingen lassen.
Dienstag, 25.12.2007
Nach einem standesgemäßen Geburtstagsfrühstück mit Geburtstagskerze und Geschenke auspacken haben wir heute die zweite Etappe in Angriff genommen. Zuerst kamen noch mal weitere 80km Nichts. Mittlerweile haben wir es ganz gut heraus uns nicht ständig zu verlieren (es gibt immer den Plan B: Treffen am nächsten Wegepunkt, aber die sind teilweise 50-90km weit weg) und es hatte sich mit unseren Begleitern eingespielt, dass sie hinter uns bleiben. Wir haben ja nur Begleitergebucht, dementsprechend fahren wir vor. Das macht auch mehr Spaß und ist weniger staubig. Und da bin ich ja Egoist: Wir sind im Urlaub und wir bezahlen 'nen Batzen Geld für die beiden. Dann fahr ich nicht in deren Staubfahne hinterher!
Bei Pisten-Kilometer 280 fingen dann die Dünen an. Echt schöne Dünen hier. Vom Fahrerischen und der Navigation her nicht anspruchsvoller als letztes Jahr im Süden Tunesiens. Nur mehr davon. Also deutlich mehr! Und höhere Dünen. Aber ganz ehrlich: Über diese hohen Dünen Fährt man ja eh nicht, sondern immer irgendwie drum herum. Aber schön anzusehen sind sie schon!
Als wir in den Sand kamen sind unsere Begleiter plötzlich nach vorne geprescht. Wir fahren zwar prinzipiell nach der Route im Göttler (dem Reiseführer), aber letztendlich fahren wir nach Satelliten-Bild. Echt, unser Monitor vorn im Auto mit dem Finger auf der Landkarte ist wieder absolut genial! Und die großräumigen Dünenstrukturen hier kann man wirklich gut auf dem Satellitenbild beurteilen. Dementsprechend mussten unsere Mopped-Fahrer dann erstmal unsere Begleiter einfangen. Diese haben dann aber verstanden, dass sie gefälligst uns hinterher zu fahren haben. Naja, so muss sich alles einspielen. Apropos Spielen: Hans und Marcel konnten heute den ganzen Tag schön spielen und im Auto wurd's auch nicht langweilig!
Jetzt haben wir bei km 370 unser Nachlager in den Dünen aufgeschlagen und erfreuen uns der grandiosen Landschaft! Draußen in der Sandwüste ist es einfach TOLL! Gleich gibt es lecker Spaghetti, die habe ich mir zum Geburtstag gewünscht.
Morgen werden wir dann wohl Al Awaynat erreichen und wenn der Campingplatz was taugt, dann gibt es auch wieder eine Dusche. Und Inch'Allah (Zitat unseres Begleiters Wossi) erreicht auch deren Fahrzeug das Ziel. Ihr Benzinfilter ist ein wenig verstopft und der mitgebrachte Ersatzfilter passt nicht so recht. Also haben sie heute Nachmittag den alten Filter durchgewaschen... Aber ansonsten halten sie gut mit. Sala ist nicht das erste Mal in der Wüste und kann fahren!
Mittlerweile ist Freitag, der 28.12.
Irgendwie komme ich immer nicht so richtig zum Schreiben. Dabei ist es gar nicht sooooo stressig!
Gestern Mittag waren wir nach 1 1/2 weiteren spannenden Tagen auf der Piste in Al Awaynat angekommen. Bei km 420 oder so waren wir wieder aus dem Sand heraus (schaaaaaade!) aber die anschließenden Pistenkilometer bis km 650 oder so waren recht abwechslungsreich und interessant. Es ging von "Brat-Piste" (also nagelneuer Piste mit knapp 100 km/h) bis Rumpel-Piste. War nett.
Auf den letzten 50km bis Al Awaynat hat sich die Gruppe diesmal komplett verloren. Tina und ich sind tatsächlich als erstes angekommen und haben einfach mal bei der Tankstelle Posten bezogen. Das war lustig. Vor den 4 Benzin-Säulen stand eine lange Schlange und wir konnten einfach direkt zum Diesel vorfahren und tanken. Syrien andersrum sozusagen :-).
Gute 30 Minuten später waren Hans und Marcel auch da und noch eine Stunde später auch unsere libyschen Begleiter. Weitere 30 Minuten später waren die Moppeds und unsere Kanister für Motorrad-Benzin und auch der Haupttank unseres Begleiter-Toyos wieder voll - nur den 300l-Zusatztank wollten die Tanksteller nicht betanken. Dazu bedurfte es erst eines Polizisten, der die Genehmigungen unserer Begleiter checkte - aber das hieß neu anstellen und mittlerweile stand halb Libyen an der Tankstelle an... So verbrachten wir also unseren Nachmittag mit Warten auf unsere Begleiter. Nunja, wir sind in Afrika - da geht nicht immer alles so schnell. Aber die Laune blieb vollkommen entspannt. Das ist doch auch was.
In Al Awaynat ist plötzlich die Hölle los! 1000ende von Touris werden hier durch die Gegend gefahren. ALLESAMT mit Toyotas. Wir witzeln immer schon: Kuck mal, da ist ein Toyo mit Holz auf dem Dach... Müssen unsere Begleiter sein :-). Hier fahren ALLE Landcruiser mit Holz auf dem Dach rum und es gibt halt auch quasi nur Landcruiser. Hier kann man glatt 10 FJ61 auf einem Haufen sehen und die Karren sind insgesamt in recht gutem Zustand! Gestern Abend haben wir es dann gerade so noch aus der Stadt bis zu einem netten Lagerplatz geschafft, bevor die Sonne unter gegangen ist.
Heute hatten wir dann einen super entspannten Tag im Akakus. Wir sind in aller Ruhe am Ostrand des Akakus gen Süden gebummelt, haben ständig Foto- oder andere Pausen gemacht und jetzt man gerade 50km (Luftlinie) nach Süden gekommen. Was soll's. Der Akakus ist wirklich eine atemberaubende Landschaft. Vollkommen bizarre Felsen an denen sich der rötliche Dünensand sammelt und Tina und ich haben sogar schon ein paar der "berühmten" Felsmalereien gesehen. Aber ehrlich: Die sind zwar lustig, aber der "Rest" drumherum ist einfach grandios!
Prinzipiell fahren Tina und ich mit unserem Begleiter im Schlepptau und Hans und Marcel für sich alleine. Alle x km haben wir dann einen Wegepunkt im GPS gesetzt und dort treffen wir uns dann halt wieder. So kann jeder sein Tempo fahren und am Treffpunkt trudeln wir lustigerweise auch recht gleichzeitig ein :-). Die gesamte Gegend ist komplett von Tracks durchzogen und man folgt halt immer irgendeinem großen Track in die richtige Richtung. So kommt man meist ganz gut voran. Morgen wird dann noch ein wenig mehr Akakus angesagt sein. Bis zum großen Felsbogen am Südende wollen wir. Einige Felsbögen haben wir heute schon gesehen .
So, jetzt gibt es noch einen Glühwein und wir kucken uns die verschiedenen Tracks am Laptop an - mal sehen was die Moppeds für Kreisel gedreht haben. Apropos Mopped: Für die ist es hier auch ein Traum. Vollkommene Abwechslung von Steinflächen bis Sanddüne und alles zwischen den zerklüfteten Akakus-Felsen!
Vom Akakus soll es dann per Piste via Wadi Mathendous zu den Mandara Seen gehen. Der Reiseführer ist ein wenig unklar, was Genehmigungen für die Strecke angeht. Unsere Begleiter sagen aber, "No Problem". Nun ja. Aber auch wenn wir mit den beiden nicht viel reden können, sie sind prinzipiell sehr ok und kümmern sich auch um uns. Man darf gespannt sein.
Wir haben die Mandara-Seen erreicht. Ahem, kuckt am Besten mal bei Google nach "Mandara" und dann werdet ihr Bilder von Seen mit Palmen drum herum mitten im Sand sehen. Es gibt hier eine unbestimmte (echt!) Anzahl von diesen Seen. Der bekannteste ist wohl der "Mandara"-See - aber sicherlich nicht der schönste. Wir haben nun nicht alle gesehen, aber der Um El Ma (Mutter des Wassers) ist definitiv schöner. Und an dem haben wir heute Camp Silvester aufgeschlagen.
Unseren Besuch im Akakus haben wir mit der Besichtung des großen Felsbogens (ein 80m hohes Felsentor) beendet und sind dann schnurstracks per Piste via Wadi Mathendous nach Germa losgesprintet. Die Fahrt (400km Piste ein paar Kilometern Dünen dazwischen) ging über lange Felsflächen - echte Rennpisten. Ein gutes Stück lief unsere Strecke entlang des Erg Murzuk. Toll diese massiv hohen Dünen. Eigentlich hatten wir für diese gut 400km 2,5 Tage gerechnet, nachmittags sind wir im Akakus los. Auf den ewig langen Ebenen ohne ernsthafte Erhebungen war es dann gar nicht so einfach einen brauchbaren Nachtplatz zu finden und wir haben erst kurz nach Sonnenuntergang Erfolg gehabt.
Am nächsten Tag lief es dann unglaublich gut vorwärts und letztendlich waren wir am frühen Nachmittag schon in Germa. Germa liegt an der Asphaltstraße zwischen Awbari/Ubari und Sebha und ist der Ausgangspunkt in das Gebiet der Mandara-Seen. Dort haben wir uns auf einem Campingplatz eingemietet. Die wollten erst 16 LD (knapp10 Euro) für eine Hütte und 10 LD für Tina und mich im Auto. Und dann noch mal 2 LD pro Person zum Duschen. Das fanden wir dann überspannt. Oder 35 LD für alle zusammen mit Duschen (2 in der Hütte, 2 im Auto) Hey, das ist ein Angebot, was ;-))). Selbst Sala und Wossi fanden das unverschämt. Vor allem (das war jetzt schon das 2. Mal) ist es aus deren Sicht vollkommen ungewöhnlich, dass Tina und ich überhaupt was bezahlen müssen, wenn wir doch im Auto schlafen! Die beiden haben jedenfalls hart für uns verhandelt und letztlich haben wir die Übernachtung für 20 LD komplett bekommen. Also eigentlich hätte ich auch 26 LD bezahlt, aber garantiert nicht noch mal 2 LD fürs Duschen! Diese Episode zeigte mal wieder ganz klar, dass Sala und Wossi deutlich in unserem Interesse handeln. Ist also nicht so, dass sie sich sagen, die Touris sollen mal ruhig zahlen.
Später sind wir dann noch in die "Stadt" (also das ist nun eine schamlose Übertreibung) und haben uns ein Restaurant ausgesucht. Wossi (die beiden waren zufällig auch da und haben uns dann natürlich die restliche Zeit bewacht) hat uns Hähnchen bestellt und den Preis klar gemacht. Irgendwie ganz bequem. Nebendran war noch ein Laden in dem Tina, Hans und Marcel vor den Regalen standen als würden sie aus der DDR kommen und das erste Mal einen westlichen Supermarkt sehen. Ausgelöst wurde die Faszination durch 2.5kg große Thunfisch-Dosen und Milchpulver im Überfluss in ähnlich großen Dosen. Und außerdem musste ausgiebig über den Bedarf von Oliven diskutiert werden... Die wurden natürlich erstmal nicht gekauft, denn die Diskussion verlief nicht so richtig ergebnisorientiert. Heute Morgen haben Tina und ich dann welche kaufen müssen - auf Weisung des Ältestenrates.
An der Tankstelle des Orts war auch der Teufel los! Offensichtlich war der Tanke zuvor der Sprit ausgegangen (der Tankwagen war gerade da, als wir im Ort ankamen) und die gesamte Gegend stand Schlange! Die Polizei war bemüht Ordnung herzustellen und versuchte die Hauptdurchgangs-Straße frei zu halten. Heute Morgen hatte sich das Chaos dann ein wenig gelegt. Dieseltypisch konnten wir gleich vorfahren und tanken. Ich muss zugeben, dass sich die schlechte Angewohnheit zu tanken bis überläuft inzwischen auch auf mich ausgebreitet hat. Die Zapfpistole hatte aber auch keine automatische Abschaltung. Die Benzinschlange war auch nur noch 15 Minuten lang und damit echt erträglich. Wossi hat uns erklärt, dass an den Zapfsäulen ein Zettel hängt, dass Einheimische nur 5 l Benzin bekommen - außer sie haben einen "wichtigen" Grund!
Nach langer Diskussion hatten wir uns für die "leichtere" Strecke zum Mandara See entschieden (knapp 20km). Es ist im Reiseführer auch noch eine "schwere" Strecke beschrieben. Naja, eine gute Stunde später stellten wir fest, dass Tunesien ein exzellentes Übungsgebiet ist. Kurzum, die Strecke war nicht nur "leichter", sondern absolut trivial. Alle, die bislang sagten, die tunesischen Sandgebiete seien die anspruchvollsten der Sahara, scheinen Recht zu haben. Klar gibt es hier massive Dünen, über die man garantiert nicht drüber fahren kann. Aber entweder fährt man drum herum oder halt nicht. Aber nicht drüber!
Der erste Anblick des Sees war schon mal toll. Der See selbst ist leider eher eine ausgetrocknete sumpfige Senke. Aber die ganzen Dattelpalmen mitten im rötlichen Sand sind einfach unglaublich. Am See haben wir dann eine ausgiebige Pause gemacht. War ja man gerade 12:00 Uhr und wir wollten ja nur noch zum Um El Ma - und der ist man gerade 3km über ein paar weitere Querdünen (die es laut Reiseführer aber in sich hätten) weiter weg. Nach einer länglichen Diskussion über Urlaubs-Rest-Zeit und Strecken und Lust und so waren wir uns einig, dass wir den Erg Awbari auf einer als anspruchsvoll beschriebenen Strecke nach Norden durchqueren wollen. 120km Luftlinie Dünen - Fahrzeit 1 Tag. Soviel haben wir über den Göttler mittlerweile gelernt: Sooooooo anspruchsvoll kann das nicht sein, wenn er für 120km man gerade einen Tag einplant! Egal, wir wollten uns gute 2 Tage Zeit nehmen - man kann ja nie wissen und das dicke Ende kommt dann doch noch!
Nunja - und dann gingen wir zu unseren Begleitern die jetzt erst damit rausrückten, dass "Problem with Engine" angesagt sei. Seit dem Akakus verbringen die beiden zunehmend viel Zeit unter der Motorhaube. Zeitweise sind sie mit "nur" 3 Zylindern gefahren und hatten 3 Zündkerzen rausgeschraubt. Nach der Zündkerzen-Wechselaktion gestern Abend sollte alles ok. sein - war's aber offensichtlich nicht, der Motor läuft nur auf 4 Töpfen. Zylinder 5+6 würden nicht laufen. Das mit dem "Problem" hätten sie uns ja auch vor unserer Diskussion erzählen können - aber dann hätten sie ja zu uns kommen müssen und so bestand ja noch die Möglichkeit, dass wir am Mandara See schlafen wollen würden. Dann müssten sie gar nix sagen und könnten am Abend einfach schrauben. Nun ja - auch das ist Libyen. Nach einer gemeinsamen Fehlersuche stand für uns eigentlich fest: Dieser Wagen wird nix ernstes mehr. Benzin ist da, Zündung auch. Dann kann eigentlich nur noch die Kompression nicht da sein.
Mit diesem Stand sind wir dann erstmal zum Um El Ma - da wollten wir ja nun auf jeden Fall hin. Der Anblick des Sees ist wirklich wie aus dem Bilderbuch. Ganz schmal liegt ein mehrere hundert Meter langes Wasserband zwischen den Dünen, umrahmt von Palmen. Allein dieser See war die Fahrt hier runter wert. Und da der Akakus das gleiche Prädikat verdient....
Also, wer von Euch mal eine 100.000-Sterne Gegend zum Bereisen sucht: Hier ist eine. Wir haben alle noch nie so viele, sooooo schöne Dünen auf einem Haufen gesehen. Und so ein palmenumrandeter See gibt den Dünen den letzten Schliff. Der Rote See ist dagegen echt nix - und wer von Euch schon mal da war, weiß wovon wir reden. Und abends sitzt man dann bei Glühwein draußen in der Wüste, es ist sehr ruhig und leider meist auch ein wenig zu kühl. Über uns hängt ein traumhafter Sternenhimmel - und wenn man gut aufpasst gibt es dazu noch Sternschnuppen. Klar, einzelne Elemente kann man auch woanders finden. Aber die Kombination macht's irre.
Hier (also am Um El Ma) angekommen haben Sala und Wossi begonnen den Ventildeckel runter zu schrauben, weil sie glaubten das Ventilspiel sei das Problem. Marcel und mir sah das eigentlich ganz gut aus. Bei einer italienische Gruppe mit gut 15 KTMs haben wir dann gefragt, ob sie einen Kompressionsprüfer dabei hätten. Hatten sie nicht, aber einen ganz tollen libyschen Mechaniker. Der hatte das Problem ganz schnell in einem zu kleinen Ventilspiel identifiziert. Dann wurden die Ventile mal ganz schnell auf "weit" gestellt und "nix Problem" genuschelt und schnell weg. Nunja - so recht läuft der Wagen nur immer noch nicht, aber zum Glück ist der Mechaniker jetzt weit weg.
Wir haben mittlerweile umgeplant: Morgen fahren wir zum Gabron See. Der ist 22 km weit weg. Die Dünen sollten anspruchsvoller werden und die Strecke ist touristisch. Wenn da der Begleiter FJ75 verreckt ist Hilfe da. Wenn wir es soweit schaffen werden wir uns gen Süden oder Osten aus den Dünen heraus arbeiten (halt so wie die Touri-Gruppen reinkommen) und dann per Asphalt gen Norden.
Das mit dem FJ75 ist jetzt natürlich blöd, aber ehrlich: Wir sind da wo wir hinwollten, fast alles hat gut funktioniert und es geht nur noch um die Variation einer einzigen Dünenstrecke. Der FJ hätte auch viel früher verrecken können. Und wenn er auf dem Weg nach Norden auf dem Asphalt verreckt ist das nicht so schlimm - dann fahren wir alleine weiter!
Tina hat jetzt eben (16:30 Uhr) mit den Vorbereitungen fürs Abendbrot begonnen (und NEIN, wir sind nicht im Altersheim, sondern nur beim betreuten Wohnen). Bis 0:00 Uhr halten wir das eh nicht durch - nachts wird es wieder frisch. Aber wir haben einen tollen Standplatz direkt am See, relativ windgeschützt und die massenhaft herangefahrenen Touris fahren auch alle wieder weg - wohin auch immer. Uns eigentlich egal. Es sieht so aus, als hätten wir den See heute Nacht für uns allein.
Draußen in der Wüste zu sein - und dann auch noch in so einer phantastischen Gegend entschädigt jedenfalls für alles! Auch dafür, dass ich mir die Dusche gestern hätte sparen können, nachdem ich vorhin neben Marcel stand und der - weil er den Dünenkamm nicht ganz erreichte - noch mal Vollgas geben musste und mich KOMPLETT eingesandet hat! Heute am Nachmittag habe ich noch mal mit seinem Mopped eine kurze Runde gedreht. So als Nachmittags-Sport. Boah, ist der Sand teilweise weich!
Mittlerweile in Tunesien im Sand
Tja, heute ist unser vorletzter Tag und wir haben uns mal wieder was Besonderes vorgenommen. Eigentlich wollten wir ja nur einen neuen Weg zum Tembaine ausprobieren - umgekehrt eine Route vom Roten See nach Ksar Ghilane, die man dann nach Norden Richtung Tembaine auf einem Track verlassen kann, den wir vor 3 Jahren gefahren sind. Ja, klang soweit erstmal ganz nett. Zumal wir nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Woche eine 20cm dicke, sehr feste Sandschicht haben.
Für alle, die sich auskennen: Wir sind von Ksar Ghilane ca. 35 km nach Süden und dann direkt nach Westen (Carlo, kommt Dir das bekannt vor?) gefahren. Den Einstiegs-Dünenkamm haben wir tatsächlich bewältigt. Danach wurde es aber nicht so viel besser - tunesische Würfeldünen halt. Mittlerweile haben wir es mal gerade knapp 15km weiter nach Westen geschafft (N 32°41.551' / O 9°21.553') und sitzen beim Lagerfeuer in netter Landschaft. Wir sind heute aber auch erst um 11:00 Uhr losgekommen. (Nachtrag: Mittlerweile sitzt die Hammeltruppe (Möööööh) zusammen im Toyo, weil es immer noch/wieder regnet...)
Die Strecke ist fahrbar, aber deutlich anspruchsvoller, als erwartet und definitiv VIEL anspruchsvoller, als alles, was wir in Libyen gesehen haben. Klar, während wir so an der einen oder anderen Ausbuddelei des Toyos waren fing es natürlich noch zu regnen an. Wir sind ja in der Wüste: Da regnet es nie und ist immer warm! Morgen haben wir dann noch 12 km bis wir unseren Track von 2005 treffen. Von dort 12km nach Norden durch einen Dünenriegel - aber parallel zu den Kämmen. Dann sind wir fast am Tembaine. Und leider müssen wir morgen dann noch den ganzen Weg nach Douz machen. Die Moppeds müssen morgen Abend gepackt auf dem Toyo stehen, damit wir dann am Donnerstag nach Norden aufbrechen können.
Ja, Ihr seht: Was man so an den letzten beiden entspannten Tagen des Urlaubs macht ;-). Aber Spaß hat's gemacht. Nur fehlt mir Tina als Beifahrerin. In diesem schwierigen Gelände sind die Moppeds mit sich beschäftigt und als Fahrer könnte man gut noch jemanden zum Kucken und aufpassen gebrauchen. Aber Such is Life!
Aber mal zur Auflösung des Libyen Urlaubs:
Von den Mandara Seen sind wir dann doch nach Norden zur Straße Idri - Brak. Unsere Begleiter waren soweit mittelmäßig zufrieden mit Ihrem Wagen und so sind wir etwa 120km durch die Dünen (entlang einer nicht weiter beschriebenen Strecke aus dem Göttler) und haben noch den See Um El Hassan gesehen. Er soll der der größte der Gruppe sein - war auch groß. Am ersten Tag der Querung sind wir lange gefahren. War teilweise sehr anspruchsvoll, weil es ausgedehnte Felder mit sehr weichem Sand gab. Einmal haben wir den Toyo nach einer Abfahrt in leicht ansteigendem Eck in so ein Weichsandfeld gesetzt. Naja, nach viel Buddelei und mit den Sandblechen ging es weiter. Den restlichen Tag haben wir das Begleiterfahrzeug mehrmals ausgebuddelt (der es mit kleineren Rädern und schwächelndem Motor schwer hat) aber es ging soweit ganz gut. Am zweiten Tag waren wir recht schnell am Ende der Dünen und nur noch 20km vorm Asphalt. Wir haben uns für einen letzten gemütlichen Tag zum Campen einen netten Platz gesucht. Aber gemütlich war der Tag in der ersten Hälfte überhaupt nicht: Bei starkem Wind und Regen (ja, in der Wüste regnet es nie) sind wir los. Die Mopped-Fahrer sahen fast nix, weil Regen und Wind den Sand wehte und das machte einen schönen Mix aus nassem Sand an der Motorrad-Brille. Auf der Windschutzscheibe war's aber nicht viel besser... Dafür hatten wir einen Regenbogen. Ein klassischer letzter Sand-Tag halt!
Die nächsten 2 Tage sind schnell erzählt: Am Donnerstag haben wir nach zwei Reifenpannen des Begleiterfahrzeugs um 14:00 Uhr mal gerade Brak erreicht (70km Strecke). Dafür sind wir dann noch lang bis 17:30 Uhr gefahren und haben an dem Tag dann doch noch 300 km geschafft. Am nächsten Morgen kamen dann die Moppeds auf den Träger und wir sind bis Yfren in ein nettes Hotel. Von dort sind es dann nur noch knapp 200km bis nach Zuara gewesen.
Am Samstagmorgen, unserem letzten Tag in Libyen, hatten wir dann selbst eine Reifenpanne - oder besser gesagt wieder eine Felgenpanne. Damit ist uns nun mittlerweile die zweite 8x16" Felge gerissen. Da ist irgendwie blöde System drin. Zuhause muss ich mir dann mal Gedanken um einen haltbareren Ersatz machen. Soweit war der Luftverlust so klein, dass Aufpumpen reichte. In Zuara sind wir dann wieder zur Agentur vorbei - wegen der Ausreise. Dort haben wir dann auch einen Schlauch in den Reifen ziehen lassen und haben noch alle Tanks und Kanister mit libyschem Sprit voll laufen lassen...
An der Grenze gab es dann noch ein wenig Aufregung: Der libysche und der tunesische Zoll sind in einem Büro untergebracht. Das Fahrzeug war in Libyen in Tinas Pass eingetragen, musste aber ja in Tunesien auf meinen Namen eingeführt werden, weil Tina ja nach Hause flog. Prompt ist das schief gelaufen. Das hat uns dann noch fast zwei Stunden gekostet und Hartnäckigkeit unsererseits benötigt: "Klein"-Asem (Asem ist wieder zu Hause und es gab einen gut englisch sprechenden jungen Vertreter dessen Namen wir nicht kennen) musste ich erst noch erklären, dass wir nicht von der Grenze weichen würden, bis der Toyo nicht mehr in Tinas und dafür in meinem Pass eingetragen sei. Klein-Asem" war nicht mehr so recht motiviert und erklärte uns (nachdem er knapp eine Stunde am Schalter verhandelt hatte):
1. entweder wir würden das in Medenine klären - gab aber zu, dass am Sonntag alles zu sein und Tina flog ja am Sonntag...
oder
2. Wir mit dem Fahrzeug wieder aus Tunesien ausreisen würden - aber dann müssten wir ja auch wieder nach Libyen rein und das ginge nicht und...
Erst als ich ihm erklärte dann müsse er halt einen Zollbeamten finden, der "wichtig" genug sei, um unser Fahrzeug einfach so umzustempeln fühlte er sich genötigt, das zu versuchen. Das ging dann plötzlich auch ganz einfach: Ein 3-Sterne Beamter war plötzlich in der Lage alles ruckzuck zu klären und die Angelegenheit war erledigt. Jetzt muss man den Einheimischen schon erklären, wie Ihr System funktioniert! Naja, Klein-Asem wusste das sicherlich auch - wollte nur nicht so recht, weil unbequem für ihn. Ach ja: An diesem Grenzübergang ist übrigens die Hölle los, das ist ein richtig großes unübersichtliches Ding!
Am Abend sind wir dann in der Dunkelheit wieder im Hotel Zarzis angekommen. Dort konnten wir deutsche Pauschaltouristen vom Feinsten bewundern. Am Nachbartisch wurde beim Abendessen über die zu geringe Anzahl von Pommes auf dem Teller gemotzt und darüber, dass es keine Schweineschnitzel gab. "Und das schon seit einer Woche!" Muss ich noch was schreiben?
Am Sonntag morgen war für Hans und Marcel ganz gemütlich Mopped-Abladen angesagt und Tina und ich haben uns beim Hotel-Masseur kneten lassen. Danach war Abschiedszeit für Tina, sie musste zum Flughafen auf Djerba. Um 18:30 Uhr oder so war sie dann bei Bodennebel und -0.5°C zu Hause. Ich bin weiter nach Tatouine, wo wir drei Jungs uns wieder getroffen und im Hotel Gazelle übernachtet haben. Das Hotel hat genau einen einzigen Vorteil: Es ist in der Stadt. Das war's aber auch. Unfreundlich, lausiger Standard, das Frühstück ist eigentlich keines und preiswert ist es auch nicht. Aber am Abend gab es endlich wieder Poulet Roti (gebratenes Hähnchen).
Montag sind wir dann über Pisten nach Ksar Ghilane und hatten unsere zweite Reifenpanne: Der libysche Schlauch (7.00x16") war ja eh ein wenig zu klein für unsere Reifen (255/85 R16) und war undicht. Ein bei der Montage nicht entferntes Kennzeichnungsschid aus Plastik hatte den Schlauch beschädigt. Wir haben die Gelegenheit genutzt und Reifenwechsel für Fortgeschrittene gemacht: Schlauchwechseln bei Sandwind in der Wüste mit Bordmitteln, ich hatte ja noch einen richtig passenden Schlauch dabei. Spät sind wir dann in Ksar angekommen. Leider ist es seit gestern Nachmittag bewölkt - aber dafür nicht wirklich kalt!
Ja, und damit bin ich am Ende unserer Erzählung. Morgen, Donnerstag, müssen wir nach Norden und wollen bis Nabeul kommen. Am Freitag geht die Fähre nach Genua, die Fahrt von dort über die Alpen nach hause ist Routine.