Fernwehfete 2008 - Kurzbericht


Auf dem Weg zur Mittagspause, meine Transalp stand fertig gepackt in der Firma, sah ich zufällig, dass ein Nagel im Hinterreifen steckte. So ein Mist, dachte ich, muss das gerade heute passieren. Ich musste dann etwas früher als geplant Feierabend machen, um das Problem zu lösen und dennoch pünktlich beim Treffpunkt anzukommen. Später, beim Reifenhändler, erklärte ich diesem "unsere" zwei Möglichkeiten: Wir ziehen den Nagel raus und nichts passiert - ich habe Glück. Wir ziehen den Nagel raus und es zischt - du hast Glück (weil er dann etwas verdient). Ok, er hatte Glück ...

Nach der Reparatur muss ich mich sputen, um noch rechtzeitig bei Tina und Lutz in Schwarzach einzutreffen. Gemeinsam mit Hans und Marcel fahren wir dann zum Treffen in die Nähe des Schluchsees. Damit die Strecke nicht so langweilig wird, wählen wir natürlich eine Strecke durch den Schwarzwald. Zunächst müssen wir das Rheintal durchqueren und uns über Bundesstraßen mit Feierabendverkehr quälen, bis wir endlich bei Ottenhöfen nicht nur freie Fahrt erhalten, sondern auch die ersehnten Kurven des Schwarzwaldes beginnen. Vorbei an den Allerheiligen-Fällen geht es gleich wieder zur Zuflucht hinauf. Nach einem kurzen Stück auf der B500, bis Kniebis, stürzen wir uns ins Tal der Wolfach hinab. Bei Marcel (er hat den größten Tank von uns) wird es langsam mit dem Sprit knapp. Kurz nach dem er auf Reserve schalten musste, werden wir in Wolfach fündig und tanken gleich alle voll. Auf kleinsten Nebensträßchen erreichen wir Schramberg. Der ein oder andere Weg ist mir noch von früheren Fahrradtouren im Gedächnis. In zwei Wochen werde ich auch wieder mit dem Rad hier unten rumdüsen, da braucht man auch nicht nach einer Tanke suchen ;-).

Wegen der schönen, aber sehr zeitraubenden Streckenführung müssen wir schon bald etwas umdisponieren. Es sind immer noch 100 Kilometer bis zum Treffen und wenn wir noch etwas vom Abendessen sehen und das Zelt bei etwas Licht aufbauen wollen, müssen wir uns nun beeilen. Da wir auf den kleinen Wegen nicht schneller vorwärts kommen, müssen wir nun notgedrungen auf breitere Straßen ausweichen. Dazu brauchen wir nur die Randbedingungen im Navi ändern und schon bekommen wir eine zeitoptimierte Strecke vorgeschlagen. Auf Bundes- und großen Landstraßen kommen wir nun rasch vorwärts. Die letzten 20 Kilometer hat es dann nochmal anständige Kurven, genau das Richtige zum Ausklang der Tour. Nach einem Begrüßungsbier werden rasch die Zelte aufgestellt. Danach kümmert sich Fred um die Füllung unserer ziemlich leeren Mägen. Hans hat als ZUgabe Harrissa und Olivenöl mitgebracht - auch Essen kann Fernweh erzeugen. Die Höhepunkte des Abends sind Diavorträge über eine Algerientour und eine Reise auf dem Landweg nach Australien. Beeindruckende Bilder die unser Fernweh wecken und auch das Thema des Treffens widerspiegeln.

Nach dem Frühstück formieren wir uns für eine Ausfahrt durch die Region. Zwölf Personen auf zehn Maschinen haben sich für die Tour zusammen gefunden. Die Strecke ist ganz nach meinem (unserem) Geschmack. Viele Kurven, wenig Verkehr und sogar eine Schotterpassage sind im Programm. Die Mittagspause verbringen wir bei Engen im "Hegaublick". Eis essend sitzen wir auf der Terrasse und genießen die Aussicht auf die Hegau-Vulkane. Am Horizont kann man auch den Bodensee erkennen. Für mich ist die Tour hier leider zu Ende. Ich düse zum Zeltplatz zurück und packe meine Sachen für die Heimfahrt zusammen. Schade, aber es muss sein. Nächstes Jahr gibt es sicher wieder eine Fernweh-Fete, und da freue ich mich jetzt schon drauf ...

 

Fortsetzung, von Hans berichtet ...

Nachdem Carlo sich davon gemacht hatte, genossen wir noch eine Weile die Sonne auf der Terrasse des Kaffes Henaublick und den Ausblick auf den Bodensee. Irgendwann hatten alle ihre Mahlzeiten verzehrt und sammelten sich bei den Moppeds. Mit der etwas kleineren Gruppe ging es weiter über zahlreiche kleine Sträßchen zurück zum Treffen. Dort war bereits der Grill in Betrieb. Da wir bis zur Dunkelheit warten mussten, um Bilder von weiteren Reiseberichte auf die Leinwand werfen zu können, zog sich das Abendessen entsprechend lange hin. Aber langweilig wurde es keinem. Im Laufe des Tages waren weitere mit dem Fernwehvirus Infizierte eingetroffen und so gab es einen regen Austausch. Bekanntschaften wurde aufgefrischt und die häufigsten Fragen waren wohl nach den Unternehmungen seit dem vorherigen Treffen und den (Reise-)Plänen für die Zukunft.

In der Dämmerung wurden wieder nahe dem Lagerfeuer der Beamer und die Leinwand aufgebaut. Dann konnten wir eine Reise nach Tunesien aus der Sicht eines Ersttäters nacherleben. Anschließend wurde noch der Film, in dem Tina unsere Libyen-Tour 2007/2008 dokumentiert hat, gezeigt. Eigentlich war dies nicht das richtige Publikum, da die 45-minütige Zusammenfassung unserer Tage im Reich Ghadafis eher als Erinnerungsstück für die Dabeigewesenen gedacht ist, doch der Film regte einige Unterhaltungen an. Es war gegen halb 2 Uhr am Sonntag, als die letzten Stirnlampen am Lagerfeuer ausgingen, in der Hütte wurden noch weitere Träume von den Schotterpisten dieser Welt geträumt und neue Pläne geschmiedet.

Einige Stunden später war es wieder hell und die ersten krochen aus den Schlafsäcken. Das Wetter schien zunächst besssr als erwartet, doch während des Frühstücks kamen die ersten Regentropfen. Es war allerdings nur ein kurzer Schauer und wir hofften darauf, trocken nach Hause zu kommen. Als wir (Marcel, Lutz, Tina und Hans) dann nach langer Verabschiedung unterwegs waren, wurde der Himmel zunehmend dunkler und bald regnete es. Im kräftigen Regen fuhren wir weiter durch den Schwarzwald, auf der B500 schließlich fast im Blindflug. Wegen der geringen Geschwindigkeiten und deshalb schlechter Belüftung hatte ich Wasser auf beiden Seiten des Visiers und dann auch der Brille. Irgendwann kamen wir in die Wolken und das Rücklicht von Marcels Adventure verschwand in der Milchsuppe, Tinas Rücken auf BMW von Lutz hatte ich schon eine Weile nicht mehr gesehen. Als es dann in die Rheinebene hinab ging, ließ der Regen nach und die Temperatur stieg. Bei Achern trennten wir uns, Lutz und Tina fuhren auf Landstraßen heim, Marcel und ich wollten auf der Autobahn die Zeit bis nach Hause verkürzen. An der nächsten Ausfahrt liefen wir jedoch auf einen Stau auf, so dass wir doch wieder auf die Landstraße mussten, um weiter zu kommen.

Es war ein schönes Treffen und wir freuen uns auf das nächste im kommenden Jahr. Jetzt brauchen wir nur noch neuen Gesprächsstoff...

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