Vom Eutertreffen zum Glockenmuseum


Vorwort
(Fast) allen, die über Suchmaschinen mit den im Titel enthaltenen Stichworten hierher gefunden haben möchte ich mitteilen, ihr seid hier falsch. Es gibt hier nur „Schweinereien“, bezüglich Stollenreifen im Schlamm und ähnliches und diesmal nicht mal das so wirklich ;-)

 

Jetzt geht's los
Wie jedes Jahr treffen sich die ganz Harten zum Wintertreffen in Hanroth/Westerwald. Dank globaler Klimaerwärmung können seit einiger Zeit auch die etwas weniger Harten an diesem Meeting teilnehmen, klar, dass auch wir wieder dabei waren ;-)

Bei Sonnenschein und blauem Himmel starte ich in Karlsruhe. Wegen der fortgeschrittenen Stunde wähle ich die bei Zweiradfahrern sonst so verschmähte Autobahn, um rasch zum Ziel zu gelangen. Beim Durchmessen des Rhein-Main Gebietes ziehen sich dann die Wolken zu und es wird sogar neblig und ungemütlich. Bei Montabaur schickt mir der Himmel auch noch etwas Nieselregen, doch kaum habe ich die Bahn verlassen, hört es zum Glück auch wieder auf. In einem Dorf kaufe ich noch etwas für das Abendessen ein. Als ich den Laden verlasse, spricht mich eine ältere Dame an:
Dame: „Was ist das denn für eine Maschine?“
Ich: „Eine Honda!“
Dame: „Tatsächlich? Hm, die sieht man heute ja gar nicht mehr so oft!?“
Ich: „Doch, doch, die gibt es noch zur genüge!“
Dame: „Das ist aber schön. Danke für die Auskunft und noch eine gute Fahrt!“

Kaum war sie weg, kam ein älterer Herr:
Herr: „Wieviel Kubik hat die denn?“
Ich: „Sechshundert!“
Herr: „Oh, ich dachte das wäre eine Fünfhunderter!“
Pause, Mann guckt die Maschine an, ich ziehe mich weiter an.
Herr: „Na dann mal viel Spaß!“

Hm, nett sind die Leute hier, sonst wird man ja nicht mal mit dem A*sch angeguckt, geschweige denn angesprochen - von evtl. Beschimpfungen mal abgesehen ;-). Kurz darauf habe ich den Grillplatz erreicht, das Zelt aufgebaut und die Anmeldung auch gleich hinter mich gebracht. Nun wäre es eine gute Idee, die Maschine noch zu tanken, damit wir morgen gleich lostouren können. Claudia ist eh noch nicht da und außerdem will ich auch noch etwas Salatiges besorgen, das habe ich vorhin beim Einkaufen ganz vergessen. Auf der Suche nach einer Zapfsäule kommt mir zufällig Claudia entgegen. Winken, bremsenquitsch, rumdrehen, halloisieren. Gemeinsam fahren wir dann die Tanks auffüllen, dann zum Supermarkt und danach wieder zur Grillhütte zurück.

Inzwischen ist es dunkel und Claudia baut im Schein der Taschenlampe ihre Behausung auf. Währenddessen kommt auch Dirk an, der seine Hütte auch gleich errichtet. Gemeinsam bereiten wir dann unser Abendessen zu, Steaks, Bratkartoffeln und Krautsalat. Während wir auf das Ende der Garzeit warten - wir haben Hunger wie die Wölfe, beginnen wir schon mal mit dem Nachtisch in Form von Kuchen und Glühwein. Nach der ganzen Schlemmerei sitzen wir pappsatt in der Nähe des Lagerfeuers und erzählen uns die letzten, nicht nur benzingetränkten, Neuigkeiten, bis wir todmüde in unsere Schlafsäcke fallen.

Nach der Stärkung am Morgen, gehen (natürlich meine ich fahren) Claudia, Dirk und ich auf Tour. Die erste Station auf unserem Weg ist Montabaur. In der Stadt denke ich zunächst, dass Claudia sich durch das GPS hat fehlleiten lassen, denn wir zirkeln durch winzig kleine Gässchen. Doch schließlich kommen wir direkt an einem Motorradparkplatz heraus, der um diese Jahreszeit natürlich verwaist da liegt. Gut, denn so müssen wir nicht lange nach einem Stellplatz suchen. Wir spazieren durch die Fußgängerzone, schlendern über den Markt und besuchen die Kirche St. Peter in Ketten. Nein, nicht wir sind in Ketten, sondern die Kirche heißt so ;-). Das viertürmige Gotteshaus ist im spätromanisch-frühgotischem Baustil errichtet. In den Schiffen und Querhäusern kann man zahlreiche Bilder und Skulpturen bestaunen.

Nach der Kultur enden wir natürlich in einem Eiscafé. Selbstverständlich sitzen wir draußen (so kalt ist es auch gar nicht) und lassen uns köstliches Eis und Espressi servieren. Auf der weiteren Fahrt erreichen wir bei Balduinstein die Schaumburg [http://www.schloss-schaumburg.de/]. Auf dem Weg zu dem alten Gemäuer treffen wir im Wald einige Jugendliche, zwei davon fast nackt. „So warm ist es nun auch wieder nicht“, denken wir, und fragen neugierig nach dem Grund des Benehmens. Es ist ein Spiel, bekommen wir zur Antwort, wer mit seinen Kleidern die längste Linie am Straßenrand legen kann. „Ha, dann würde ich aber gewinnen“, kontert Claudia, „ich habe alleine drei Hosen an!“

Zwei Kurven weiter gleich das nächste Ereignis. Ein Gartentraktor reinigt die Straße und fährt dabei ein Stück rückwärts. Inzwischen hatte ein Auto von oben kommend dahinter gestoppt, doch anstatt der Fahrer zurück setzt, hupt er nur. Der Traktorfahrer kann wegen des Lärms seiner Maschine und dem angelegtem Gehörschutz die Hupe natürlich nicht hören, und rumms, verbiegt sich Blech und splittert Kunststoff. Der Dosenfahrer regt sich natürlich tierisch auf, aber irgendwie hätten ja beide den Unfall vermeiden können.

Endlich an der Burg angekommen, wollen wir diese auch besichtigen. Jedoch sind die Tore erst ab Mai nächsten Jahres wieder geöffnet und so müssen wir unverrichteter Dinge wieder weiter. Wir durchqueren Limburg und rollen durch das schöne Hessenland - als geborener Wiesbadener muss ich das sagen – nach Greifenstein zur gleichnamigen Burg. Laut Eigenwerbung die Perle deutscher Schlösser und Burgen [http://www.burg-greifenstein.net/]. Eigentlich wollten wir das auf der Burg ansässige Deutsche Glockenmuseum besuchen, doch die fortgeschrittene Stunde und ein heftiger natürlicher Drang lassen uns noch schnell ein Café aufsuchen und den klangvollen Besuch (der des Museums, nicht des Cafés) auf ein anderes Mal verschieben. Sozusagen war das heute dann Perlen vor die Säue …

Nachdem alle Geschäfte zufriedenstellend erledigt sind, düsen wir nach Hanroth zurück. Unterwegs kaufen wir noch für das Abendessen ein. Auf dem Weg zurück stellen wir fest, dass die Luftfeuchtigkeit extrem gestiegen ist, seit wir die Lahn verlassen haben. Dort unten war es schön trocken, doch hier im Westerwald ist es so richtig unangenehm neblig feucht. Aber was soll’s, das Lagerfeuer prasselt und unsere Tortellini in Salbeibutter entschädigen vollends für den Vollausschlag des Hygrometers.

Schon um 07:00 Uhr beginne ich mit dem Zeltabbau. Es regnet leicht – sch****e! (Der Bindestrich ist hier sehr wichtig, sonst könnte der Satz missverstanden werden ;-) ). Nach dem Frühstück und dem üblichen Verabschiedungsgedrücke fahre ich zusammen mit Jo Richtung Süden. Bei Wiesbaden trennen wir uns, ich möchte noch bei Mutter und Schwester reinschauen, er will noch zu einem Kumpel fahren. Nach meinem Besuch in der Heimat geht es weiter nach Karlsruhe. Es regnet! Doch mit jedem Kilometer, die ich meiner Wahlheimat näher komme, wird es trockener. „So isch’s recht“, würde der Badener sagen …