Bratwursttreffen 2008
Die Straßen sind noch feucht, aber der Regen der Nacht scheint sich verzogen zu haben. Zwischen den Wolken spitzt auch schon die Sonne hervor. Na also, am Wetter soll es nicht liegen. Rasch in die Moppedklamotten geschlüpft und die bereits bepackte Twin aus der Garage geholt. Ein paar Kilometer Autobahn, um aus Karlsruhe raus und über den Rhein zu kommen sind schnell abgespult. Die Temperaturen wollen noch nicht so recht in die Höhe, weshalb ich in Rinnthal, an der Auffahrt zum Johanniskreuz, einen Fleece-Pulli drunter ziehe und die dünnen Enduro-Handschuhe gegen wärmere Pendands tausche. Dann kurve ich die Kehren hinauf, die am Freitagmorgen menschenleer und entsprechend frei fahrbar sind. Auch der Parkplatz vor dem Lokal am Kreuz ist noch leer, die Stühle stehen mit den Lehnen zu den Tischen gekippt. Bis Hochspeyer bleibt der Verkehr mehr als ruhig, die Kurven kann ich also voll genießen.
In Enkenbach-Alsenborn treibt mich eine Umleitung in die falsche Richtung, aber auch zu einem Lebensmittelmarkt. Die Gelegenheit nutze ich, um ein Frühstück einzukaufen. Einige Kilometer weiter, steht eine Bank einladend am Straßenrand. Genau so was habe ich gesucht. Die Sonne wärmt, Buttermilch und Brezel wandern in den Magen und der Ausblick auf ein verschlafenes Dörfchen sättigt die Sinne.
Nachdem ich mein Ziel im GPS programmiert habe, fahre ich nach gutdünken weiter. Jedes Sträßchen, das mir gefällt, nehme ich unter die Räder. Je kleiner und holpriger, desto lieber – und davon gibt es im Donnersbergkreis genug. Ab und zu kontrolliere ich die grobe Richtung auf dem elektronischen Helferlein, damit ich nicht ganz vom Kurs abkomme und mich ganz auf die Kurvenhatz konzentrieren kann. In Meisenheim steuere ich wie jedes Jahr die Eisdiele in der nett hergerichteten Altstadt an. Ein Eis geht immer! Danach kaufe ich wieder ein, diesmal für das Abendessen auf dem Grillplatz. Nun ist es nicht mehr weit zum Treffen, aber es ist noch recht früh. Deshalb mache ich noch einen Abstecher nach Bad Sobernheim, um dort das kalte Eis mit einem heißen Milchkaffee zu ergänzen.
Eine Stunde später düse ich durch das Kellenbachtal zur Grillhütte hinauf. Noch sind kaum Leute da. Egal, erstmal das Zelt aufbauen. Kaum habe ich angefangen, kommen auch Claudia und Bernd an. Und noch bevor ein weiterer Handschlag getan ist, donnern auch Marcel, Hans, Tina und Lutz heran. Ist ja wie verabredet. Den Abend verbringen wir grillend und quatschend am Feuer. Einge von uns haben sich lange nicht mehr gesehen und entsprechend notwendig ist der Informationsaustausch - man hätte auch Tratschen sagen können ;-)
Nach dem Frühstück führt uns Claudia Richtung Rhein. Unsere Truppe besteht aus Tina und Lutz, Marcel, Bernd, Hans und mir selbst. Zunächst geht es quer durch den Hunsrück. Hier herrschen hügelige Wälder und schmale Sträßchen vor. Das Rheintal erreichen wir über eine (legale) Schotterstrecke, um gleich darauf im Schatten der linksrheinischen Burgen Sooneck und Hohneck sowie Schloss Fürstenberg auf dem Wartestreifen einer Fähre zu gelangen. Nach kurzer Zeit wechseln wir die Flussseite und biegen in Lorch ins Wispertal ein. Nach ein paar Kilometern Kurvenhatz stoppen wir an der „Alten Villa“. In diesem alten Jagdhaus befinden sich eine Galerie und ein Café. Die meisten fahren hier achtlos vorbei, dabei sind Kaffee und Kuchen lecker und es gibt auch Kultur – es müssen ja nicht immer Benzingespräche sein. Wen es interessiert, der klickt hier:
Nach der Stärkung düsen wir wieder Richtung Rhein zurück, biegen dann aber zur Kauber Platte ab. Wir passieren die Ruinen Waldeck und Sauerburg und kurven zwischen Hügeln aus Schieferabraum entlang, die Bergleute zu früheren Zeiten über enge Stollen aus dem Boden gefördert haben. Dann geht es wieder tief zum Wasser hinunter. Am Ufer müssen wir einen technischen Stopp einlegen. Die GS macht merkwürdige Geräusche. Lutz schraubt den Plastikdeckel vorn am Motor ab und diagnostiziert einen verschlissenen Antriebsriemen für die Lichtmaschine. Nachdem die abstehenden Fetzen abgeschnitten sind, ist wieder Ruhe im Kasten und weiter geht’s. Wir folgen dem Strom bis Schloss Liebeneck, um dort wieder die Seite zu wechseln. Über Boppard und Herschwiesen gelangen wir zur Mosel. Kurz hinter Brodenbach hat man einen tollen Ausblick ins Moseltal hinunter. Die Aussicht auf die eng gewundene hinab führende Straße ist aber auch nicht schlecht und lässt die Gashand jucken. Wir folgen erst dem Lindwurm nach unten und dann dem Moseltal eine Weile flussaufwärts, wechseln in Cochem zur anderen Seite hinüber und fallen, wie fast jedes Jahr, ins überlaufene Eiscafé ein. Wir haben Glück, ein Tisch wird gerade frei, so dass die Schlemmerei nicht warten muss. Das Eis schmeckt nicht schlecht, doch die Portionen scheinen von Jahr zu Jahr kleiner zu werden. Vielleicht wäre eine weniger frequentierte Eisdiele mengenmäßig ergiebiger. Das müssen wir fürs nächste Mal im Hinterkopf behalten …
Die legendären Kurven von Bruttig-Fankel zu den Hunsrückhöhen hinauf lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Im Eiltempo lassen wir den Asphalt unter den Rädern flitzen - soweit das die Grobstoller in den Kurven eben zulassen. Bei Kirchberg entern wir wieder einen Supermarkt und kaufen für das Abendessen ein. Die Bratwürste auf dem Bratwursttreffen sind zwar spitze, doch mir ist heute eher nach vegetarischer Kost, begleitet von einem leckeren Wein. Auf dem Rückweg zum Grillplatz tauschen wir die Moppeds. Marcel fährt Versys, Claudia KTM, Bernd Suzi, Lutz Africa Twin und ich die 1150 GS. Hm, die meisten wissen ja, was ich von BMW halte, hat aber trotzdem Spaß gemacht, vielleicht könnte ich mich sogar daran gewöhnen ;-)
Nachdem wir unsere Wiese wieder erreicht haben, machen wir uns gleich ans Zubereiten des Abendessens. Während die meisten Treffenteilnehmer unten um die Hütte sitzen, haben wir uns eine Biergarnitur auf den Zelthügel hinaufgeschleppt. Hier oben haben wir eine gute Aussicht und etwas bessere Luft als in der rauchgeschwängerten Niederung am Grillfeuer. Während die Anderen ihrer Fleischeslust frönen, lasse ich mir Rohkost, Käse und knusprige Brötchen schmecken. Marcel reicht dazu leckeren Wein, als Nachtisch lässt Tina eine Tüte mit würzigen Tacos kreisen. Nach dem Abendessen wird es recht frisch auf unserem Hügel. Nun müssen wir uns doch ans rauchige Feuer drängen. Dort klönen wir bis der Wein ausgeht.
Tina, Lutz, Marcel, Hans und ich fahren nach dem Frühstück gemeinsam Nachhause. Zunächst übernehme ich die Führung und leite unsere Truppe durch Hunsrück und Donnersberg Richtung Süden. Sagen wir grob Richtung Süden, denn ich baue einige kleine Umwege ein, um möglichst kleine Sträßchen zu erwischen. So kurven wir bis zum Johanniskreuz hinunter. Auf dem Weg zum Kreuz hinauf ist diesmal einiges los. Es sind aber weniger die üblichen lebensmüden Heizer, sondern mehr sonntagsfahrende Harleytreiber fortgeschrittenen Alters, die in größeren Gruppen den Verkehr aufhalten. Na ja, jeder so wie es ihm beliebt. Ab hier übernimmt Lutz die Führung und leitet uns nach Dahn, natürlich zu einem Eiscafé. Nach der Nascherei gönnen wir uns noch einen Milchkaffee, als Gegenpol zum kühlen Eis. Nun trennen sich unsere Wege, Marcel düst nach Frankreich weiter, Tina, Lutz und Hans müssen sich mehr Richtung Rastatt halten und ich halte den Lenker grob Richtung Nordschwarzwald.
Was soll ich noch lange erzählen, schön war es wieder und das Wetter hat auch mitgespielt, was will man mehr …
