8. Adventure-Enduro Treffen - Bericht
Wolken lesen, ein viel geübtes Spielchen an diesem Wochenende. Angesagt war viel Regen und Kühle, also das richtige Wetter für ein Abenteuer-Treffen.
Meine Hinfahrt am Freitag lief dafür eigentlich ganz gut, erst in Wildbergerhütte hab ich mich weicheiernd unter einem Vordach untergestellt und den einzigen Schauer dieses Tages abgewartet. Wasser auf der Straße hatte ich heute schon genug, von oben muss es so kurz vor dem Ziel nicht auch noch sein. Von einer Anhöhe aus konnte ich vor 2 Minuten die mächtigen Regenfahnen sehen, die sich nun auch über diesem Ort aus dem Himmel stürzen, buah! Und kalt ist mir auch.
Zwei heldengleiche KTM-ler fahren trotzdem an mir vorbei, mittenrein. Die treff’ ich schon noch gleich wieder, so wie alle anderen. Ich treffe sie sonst in Rumänien, in Holland oder in Frankreich, manchmal auch einfach an einem Feuer im Westerwald oder im Hunsrück. Man kann sich allerdings auch in Island treffen, wie uns zwei der Veranstalter in ihrem Reisebericht Glauben machen wollen. Ich halte diese Geschichten ja mehr für so’n Männerding – starke Moppeds und noch stärkere Sprüche, heiße Quellen und noch heißere Touristinnen ;-)) ...
Nachdem ich den morgendlichen Chauvi-Verbalattacken eines der Ausrichter samt seinen Fans in der Küche nur mit einigen gelassenen Federn entkommen konnte, will ich nach dem Frühstück nun endlich los. Es hat die ganze Nacht geregnet und die Straßen sind am Samstagmorgen immer noch pitschnass und voller Laub. Aber die Luft ist frisch und klar und so brechen wir auf und freuen uns auf ein gemeinsame Kul-Tour ins Siegen-Wittgensteinerland bis nach Marburg.
Unserer erste Station ist die schwarzweiße Fachwerkstadt Freudenberg, wir gurken ein wenig durch die Altstadtgässchen und bemerken erstaunt, dass einige Balken mittlerweile bunte Farbe erhielten. Unser nächstes Ziel ist der ehemalige untergegangene Bergwerksort Altenberg in der Nähe von Müsen. Er besteht nur mehr aus einigen freigelegten Grundmauern und Infotafeln. Der Sage nach sollen die Altenberger unglaublich reich und leider auch unglaublich überheblich gewesen sein, ihr Ort wurde deshalb zur Strafe vernichtet. Davon steht hier Bergbauwüstung Altenberg – Wikipedia natürlich nix, ist ja auch nur eine der vielen Siegerländer Sagen, die auch hier Altes Licht erwähnt werden. Auch die Sage vom ew'gen Fuhrmann ist schaurig schön für dunkle Winterabende im Kaminzimmer. Na ja, ein Fünkchen Wahrheit ist ja doch immer dran oder?
Nachdem wir genug alte Steine besichtigt hatten, machten wir uns auf, ganz junges Wasser zu kosten, das der Sieg und das der Lahn. Übrigens trifft man hier oben auf dem Rothaarsteig auch nette Touristinnen, muss Mann nich’ für nach Island und viel Regen hat’s hier auch ;-). Viele Flüsse und Bäche entspringen hier oben im Rothaargebirge - umgeben von tiefem Wald - wollte ich jetzt eigentlich sagen. Doch mit großem Erschrecken stelle ich fest, dass die Stürme der letzten Jahre hier ganze Arbeit geleistet haben. Stellen an denen man früher am Tage fast das Licht einschalten wollte, sind nun sonnendurchflutet - wenn sie denn schiene. Ganz neue Ausblicke in Täler erschließen sich und die Rückseite des Lahnhofs konnte ich bisher noch nie von der Straße aus sehen. Ob sich der Verlust der alten Bäume eigentlich auf die Quellen auswirkt?
Doch Kaffee und Kuchen beruhigen mein sorgendes Gemüt und so kann ich mich wenig später wieder entspannt einer neuen Herausforderung stellen, einer überaus gewagten Furt. Brauch’ man auch nich’ für nach Island ;-) Wie sagte Carlo? „Ich wär’ da ja nie durch [1], aber Claudia ist ja immer für so’n Blödsinn zu haben, wenn gute Fotos d’raus werden ...“ Na toll! Die nächste Flussquerung (eine Brückenbaustelle) war selbst mit unseren Abenteuer-Motorrädern nicht zu schaffen, Bagger quer davor und lauter solche Hindernisse, na gut, dann eben außen ’rum. Doch der Umweg beschert uns eine sehr schöne Anfahrt nach Marburg. Inzwischen sind die Straßen trocken, laubfrei und die Sonne strahlt immer mal wieder.
Das genießt auch ein Jungscher auf einer 80-er Enduro. Er gibt ordentlich Gas und verstocht sich mit seinem bescheidenen Fahrwerk fast in den Kurven. Er will’s uns als Eingeborener halt zeigen, deswegen kennt er im nächsten Ort, bestehend aus zwei Höfen, auch keine Gnade mit dem Ortseingangsschild und lässt’s Gas einfach stehen. So einem Helden habe ich trotz der x-fachen Leistung einfach nix entgegen zu setzen und lasse ihn frustriert ziehen. ;-)
In Marburg angekommen genießen wir den Sonnenschein zwischen den alten großen Fachwerkhäusern der Oberstadt und kaufen noch flott ein wenig auf dem Markt ein, Elke will uns heut’ Abend lecker bekochen. Bis dahin ist es jedoch noch eine Weile und die wird – ja klar – mit leckerem Eis überbrückt. Nach ausgedehntem Bummel steigen wir die engen Stufen Richtung Mopedparkplatz wieder herauf, verstauen die Vorräte, ziehen die Sonnenbrillen an und zischen wieder ab Richtung Ober-, Unter- oder Mittelsolbach, was weiß ich. Ich sehe vor mir jedenfalls viele richtig schnelle, gierige Kurven und ab geht’s. Die geplante Kultur auf dem Rückweg von Marburg muss leider bis zum nächsten Jahr warten.
In Dillenburg erfahren wir während eines Einkaufstopps endlich, wer eigentlich an dem Dilemma mit dem teueren Sprit und allem Anderen so schuld ist: Die Grünen! ...sagt der Mann der seinem Hund Bonbons aus der Apotheke kauft und heute Abend sein getrocknetes Schweineohr vor dem Fernseher knabbert. Nu wissen wir das auch, und ich dachte immer: 42, tja!
Wer hätte das gedacht, dass wir bei den Wetterprognosen so eine schöne Tour hätten haben können? Und als krönenden Abschluss gibt’s Salat und lange dünne Nudeln mit Öl, viiiiel Knoblauch (ich weiß nicht, wie man das auf italienisch schreibt ;-), Carlo, hilf mal [2]. und etwas scharf aus einem Topf, mit dem sonst Schulklassen versorgt werden. Und weil es sooo lecker ist und wir sooo hungrig sind, bleibt auch nix übrig. Danke Elke, und danke Ulli für den Abwasch. Uns bleibt nun nichts anderes übrig, als dort im Warmen sitzen zu bleiben und wie die wilden Heckrinder draußen auf der Weide, immer leicht verdauend ;-), den Reiseabenteuern von Werner zu lauschen und uns an den Bildern zu laben.
Doch alles Tellerleeressen hat nix genützt, pünktlich zum Sonnenaufgang regnet es und windig ist es auch geworden.
Vor dem Frühstück hole ich mir auf nüchternen! Magen noch meine übliche morgendliche Küchenpackung beim Veranstalter ab, harte Kost aber bitte – ich muss das wohl haben, das erdet mich ;-).
Eigentlich wollte ich nicht gleich in den Regenklamotten losfahren, aber als ich endlich soweit bin, muss ich wenigstens die Jacke drüberziehen, weil es grad sooo anfängt. Wenig später halte ich an und greif’ mir auch die Gummibux. Bis nach Hause regnet es in einem durch. Aber die klare, laue Luft und der bunte Herbstwald lenken herrlich davon ab. Kurz vor Waldbröl kann ich die „Gipfel“ des Siebengebirges sehen und darüber einen hellen Horizont, das macht Hoffnung. Und mit entspannter Musik im Ohr und leeren Straßen trödele ich mit Genuss den ganzen Weg bis kurz vor Köln über kleine und kleinste Sträßchen.
Tja, das war doch wirklich ein schönes und abenteuerreiches Abenteuer- Geländemoped –Treffen, selbst mit so einem Exoten wie meiner XT. Und es hat sie wieder keiner in den Baum gehenkt. ;-)
Bis bald, Claudia
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Anmerkungen von Carlo:
[1] Ich hatte nur keine Lust auf nasse Füße
[2] Spaghetti Aglio e Olio
