Eutertreffen 2005


Ja ich weiß, ist schon ein komischer Name für ein Treffen ;-) Der Name kommt wohl aus früheren Zeiten, als das Treffen bei einer Kuhweide statt fand - doch nun zum Thema ...

Schon im letzten Jahr hatte mich Claudia eingeladen, am Eutertreffen teilzunehmen. Die Maschine stand gepackt in der Garage, das Roadbook für die Anfahrt war eingefädelt, nur das Wetter spielte nicht mit. Mit einer Solomaschine ist mir das bei Glätte zu gefährlich.

Diesmal war der Wettergott gnädig und so stand einer Teilnahme nichts im Wege. Warm angezogen und mit angeschlossenen heizbaren Handschuhen trete ich die Reise an. Doch etwas Pech ist auch dabei. Zuerst komme ich nicht zeitig aus der 4ma weg und muss deshalb auf die Autobahn, um Strecke zu machen. War der Himmel beim Start noch blau, so ziehen schon nach keinen 20 Kilometern dicke schwarze Wolken mit Schneeregen auf. Zum Glück bleibe ich halbwegs davon verschont. Das Schlimmste ist die aufgewirbelte Gischt der Autos, die mir rasch mein Visier und die Brille versauen. Aber was noch schlimmer ist, meine Spannungsanzeige im IMO meldet nur 10,8 Volt! Also die beheizten Handschuhe aus und mal beobachten. Je weniger Verbraucher an sind, desto mehr Spannung hab ich. Hm, die Batterie hatte ich doch gecheckt, sollte der Regler oder gar die Lima kaputt sein? Komischerweise steigt die Spannung immer wieder mal auf 13,6 Volt an und ich kann die elektrische Fingerheizung zwischendurch aktivieren, so dass mir die Griffel nicht ganz abfallen. Nach ein paar Minuten fallen die Volts wieder ab und das Frieren geht weiter. Aber was soll's, Hauptsache die Kiste läuft. Entgegen aller Erwartungen komme ich ohne Stau durch, auch das Wetter wird schon bald wieder trockener. Bei Koblenz lege ich eine Pinkelpause ein und ziehe den Regenkombi aus, den ich nach dem kurzen Regen-Intermezzo zu Beginn der Tour, eigentlich nur als zusätzlichen Wärmespender anbehalten habe. Die letzten 70 Kilometer muss ich dann im Dunkeln abspulen, was aber auch kein Problem darstellt.

An der Grillhütte angekommen werde ich von Claudia freudig empfangen. Schnell baue ich das Zelt auf, während sie mir mit der Taschenlampe die Dunkelheit vertreibt, damit ich die "Nippel durch die richtigen Laschen" ziehen kann. Dann gibt es erstmal einen schönen Glühwein und ich tanke am prasselnden Feuer Wärme. Der Grill ist auch schon heiß, so wandern die ein oder andere Wurst/Steak erst über den Rost und dann in den Magen. Claudia experimentiert mit Tiefkühlpizza auf dem Grill - na ja, unten schwarz und oben kalt ;-) Mit wahlweise kalten oder warmen Getränken vertreiben wir uns die Zeit am Feuer und machen das, was man halt bei so einem Treffen im allgemeinen so macht ;-) bevor wir nach Mitternacht in den wohlverdienten Schlaf fallen. Ein weiteres Mal bin ich von meinem schönen warmen Daunenschlafsack begeistert. Er hat nur einen Nachteil, er hilft nicht gegen das Geschnarche aus den Nachbarzelten ...

Morgens um 08:00 sitzen wir beim Frühstück und besprechen unsere Tour durch den Westerwald. Claudia kennt ein paar nette Streckchen, außerdem wollen wir auch die Innenstadt von Herborn besichtigen. Gemeinsam mit Dieter starten wir Richtung XXX. Der Himmel ist blau, die Sonne lacht und die Temperaturen pendeln sich, je nach Höhenlage, mal über und mal unter dem Gefrierpunkt ein - wir haben also prima Wetter! Bei Rennerod überschreiten wir die 500 Meter Marke und hier ist es überall weiß. Zum Glück sind die Straßen frei, auf eine Rutschpartie hat keiner von uns Lust. Nach einer Tankpause - immer die Leute mit den kleinen Tanks ;-) - trennt sich Dieter von uns, da er nachhause muss. Claudia und ich düsen nach Herborn weiter. Gleich am Ortseingang machen wir bei einem Honda-Händler halt. Dort kaufe ich mir eine warme und winddichte Sturmhaube. Meine habe ich daheim vergessen und es zieht ganz schön hier oben. Danach machen wir die Stadt unsicher. Wir gehen zum Schloss hinauf, besichtigen den historischen Stadtkern und gehen ein Eis essen. Leider ist der Laden so verraucht, dass wir es beim Eis lassen und den Kakao zum Aufwärmen lieber in einem anderen Laden mit angenehmeren Ambiente zu uns nehmen. Danach kurven wir in einem Bogen wieder Richtung Westen. Am Nachmittag wird es spürbar kühler, da kommt uns das Westerwälder Motorradmuseum in Steinebach/Sieg zum Aufwärmen gerade recht. Aber denkste - in dem Laden ist es kälter als draußen und meine Füße werden zu Eisklötzen. So beschränken wir das Bestaunen der alten Maschinen und Fahrräder auf das Nötigste und machen uns schon recht bald wieder auf den Weg in Richtung Grillplatz. Auf dem Weg nehmen wir noch das schöne Nistertal mit. Durch die Kälte und die aufkommende Dunkelheit geben wir unseren Pferdchen aber die Sporen und können die Landschaft nicht mehr so recht genießen. Kaum sind wir wieder an der Grillhütte, bahnen wir uns gleich einen Weg ans Feuer. Hier sitzen wir ohne Stiefel und strecken die Füße in Richtung oxidierendes Holz. Der Glühwein leistet seine Arbeit von innen her, so dass wir schon bald wieder die Kälte vertrieben haben.

Nach einer furchtbaren Nacht, furchtbar deshalb, war die Zahl der Schnarcher zugenommen hatte ;-) blinzele ich in den bedeckten Himmel. Das Wetter ist zwar nicht mehr so schön wie gestern, aber es regnet nicht und das ist ja schon mal was. Frühstücken, packen, verabschieden und dann hoffen, dass die Batterie noch genügend Saft hat. Sie hat, ich kann also beruhigt losdüsen. Am Ortsausgang von Hanroth trennen sich die Wege von Claudia und mir. Sie macht nach Neuß rüber und ich steche Richtung Süden. Bis Limburg bleibe ich erstmal auf der Autobahn. Die heizbaren Handschuhe verbreiten wohlige Wärme, die niedrige Spannungsanzeige ignoriere ich, gestern ging's ja auch. An einer Ampel in Limburg mache ich einen Fehler. Ich schalte den Motor ab und will in neu starten, um zu sehen, ob die Batterie es noch schafft. Natürlich schafft sie es nicht, alle Verbraucher sind aus! Ich Idiot, warum hier und nicht an einem Berg, wo ich den Bock wieder anrollen lassen kann?! Ich schiebe die Fuhre ein Stück die Straße runter, bis es links ganz leicht bergab geht. Das kleine Gefälle muss reichen. Viel zu langsam rollt die Maschine, das muss jetzt klappen! 2. Gang, Kupplung kommen lassen - jaaa, der Motor läuft! Nun fahre ich nur mit Standlicht und mit ausgeschalteten Verbrauchern (kein GPS usw.) weiter, um Strom zu sparen. Die Finger kühlen zwar aus, aber das ist mir jetzt egal. Die Strecke führt kurvenreich zum Rhein hinunter. Nach einer Weile teste ich, ob die Batterie wieder geladen wurde - diesmal natürlich bergab, man lernt ja dazu ;-) Siehe da, recht kraftvoll dreht der Motor durch und springt locker an. So kann ich es auch wagen, mit der Fähre über den Strom zu setzen, ohne den Bock evtl. vom Schiff runter schieben zu müssen. Von St. Goarshausen geht es nach St. Goar hinüber und dort gleich den Berg hinauf in den Hunsrück hinüber. Ein paar Kilometer kürze ich noch auf der Autobahn ab, dann biege ich in den Pfälzer Wald ab. Hier wird es spürbar kühler, die Bäume tragen ein weißes Kleid aus Reif. Eigentlich wollte ich noch das Johanniskreuz mitnehmen, aber das sieht mir doch zu frostig aus. Ich habe keine Lust so kurz vor zuhause mich noch auf glatter Straße abzulegen und bleibe lieber in den Tallagen. Die letzten Kilometer lasse ich es noch mal richtig laufen, ich freue mich nämlich schon tierisch auf die heiße Badewanne.

In der Wanne liegend und wieder aufgewärmt freue ich mich schon auf die nächste kühle Tour. Dann aber bitte mit funktionierender Technik, damit ich mein heizbares Equipment auch betreiben kann. Es gibt nichts schlimmeres als kalte Finger.

Übrigens, die Regler ist kaputt gegangen, deshalb die zu niedrige Ladespannung ...